Kurzer Einwurf: Kalendersprüche

Heute Morgen war zu lesen, wie sich Bundeskanzlerin Merkel in Richtung Trump geäußert haben soll: „In einer globalisierten Welt gilt es, Brücken zu bauen und nicht, Zugbrücken hochzuziehen. Wer sich abschottet, wird von den weltweiten Entwicklungen abgeschnitten.“

Ein wunderschöner Ausspruch, der Platz in jedem Abrisskalender finden könnte, vielleicht an einem Sonntag.

Und Kollege Trump macht es einem ja auch sehr leicht, sich hinter jeden zu stellen, der sich ihm gegenüber kritisch äußert. Nur ist es auch hierbei leider so, wie sonst auch im richtigen Leben. Nicht jeder, der sich mit mir/mit uns GEGEN die gleiche Sache wendet, führt auch das Gleiche im Schilde oder tritt FÜR das Gleiche ein.
Einen Elefanten im Porzellanladen zu kritisieren fällt leicht, zumal dann, wenn er auch nicht besonders „helle“ erscheint.

Dennoch sollte man sich Bundeskanzlerin Merkels Worte mal etwas genauer durch den Kopf gehen lassen. Mir scheint dieser versöhnlich anmutende Ausspruch tatsächlich nicht einmal halb so weise, wie er beim ersten Lesen und Hören anmuten soll.

Wir wissen alle, daß mit einer „globalisierten Welt“ ausschließlich das Agieren „unserer“ Konzerne und Banken gemeint ist.
Die zu bauen beabsichtigten Brücken sind, salopp zusammengefaßt, Freihandelsabkommen, um es der „globalisierten Welt“ so einfach wie möglich zu machen, nicht viel auf regionale und nationale Gesetze und Bestimmungen zu achten. Die „Zugbrücken“ sind dann einfach nur „keine Freihandelsabkommen“.

Tja, und der letzte Satz lautet dann so:
„Wer da nicht mit macht, wird gemobbt.“

Zusammenfassung des Zitats in Umgangssprache:

„In einer von Konzernen und Banken gelenkten Welt gilt es, ein Freihandelsabkommen nach dem anderen durchzudrücken und sich diesen nicht zu verweigern (eh sinnlos. ätsch!). Wer damit ein Problem hat, wird zur Strafe fertig gemacht.“

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„Biodeutsch“ ist wie „Mitgliederinnen“, nur von der anderen Seite….

Egal wie man es dreht, jede Großnation; also nicht nur Deutschland, sondern eben auch Italien, Frankreich, Spanien, Polen etc. pp (also alles auf Ebene NUTS-0) ist hauptsächlich eine Idee, bei den einen etwas jünger, bei den anderen etwas älter, aber doch nur ein gedankliches Konstrukt. Einzige Gemeinsamkeit ist i.d.R. die Verkehrssprache, alles andere sind mehr oder weniger künstliche Etikette, die man sich anheftet, aber wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben. Da es wenig „natürliche“ Gemeinsamkeiten gibt, behilft man sich mit Dingen wie typischen Tugenden oder Leitbildern und fertig ist das Gebräu für eine Stimmung à la 1871 oder 1933 usw. usf.
 
In Spanien sind mir 6 Regionen bekannt, in denen Gruppierungen für mehr Eigenständigkeit bis hin zur Unabhängigkeit wirken (Baskenland, Galicien, Katalonien, Aragon, Balearen, Valencia). In Großbritannien vier (Schottland, Wales, Cornwall, Yorkshire) in Italien 5 (Sardinien, Aostatal, Venetien, Lombardei und als Sonderfall Süd-Tirol), in Frankreich mindestens 6 (Bretagne, Katalonien, Okzitanien (das ist der komplette Südküstenstreifen), Korsika, Savoyen, Elsaß.) In Polen gibt es die Kaschuben und Schlesier…. Nur in Deutschland, eigentlich ein Sinnbild des Föderalismus und der Subsidiarität gibt es bis auf die wackeren Bayern und einige Südschleswiger kaum Menschen die ein Auge auf ihre regionale Identität werfen. Hier wird über die Salonfähigkeit eines Begriffs wie „biodeutsch“ nachgedacht und auch die Gegner eines solchen Begriffs hatten letzte Woche nichts besseres zu tun als mit der Zustimmung zu diversen Grundgesetzänderungen sich als Totengräber des Föderalismus zu betätigen, den Zentralismus zu feiern und somit der Salonfähigkeit dieses Unwortes eine weitere gedeihliche Grundlage zu bereiten.
 
Brandenburg ist von Alters her (wir feiern am 11. Juni übrigens unsern 860. Geburtstag) ein Schmelztiegel aus Untertanen aller Herren Länder. Man orientierte sich nicht an der Herkunft sondern an dem Willen hier etwas aufzubauen und den Werten, die das Miteinander regelten.
 
Wir sind eine Mischung aus den Slawen, die hier lebten und den Siedlern die hierher kamen. „Ick, det, kiek, koof, ooch“ kommen nicht von ungefähr; zu den ersten Siedlern gehörten Flamen und Holländer, man sprach in weiten Teilen Brandenburgs seine gewohnte Mundart oder gar Sprache weiter. Noch im 1. Weltkrieg sollen sich Soldaten aus dem Fläming und dem Teltow noch recht gut mit den Einheimischen in Flandern unterhalten haben können, hier sprach man Fläminger- und Telsch-Platt, etwas was heute kaum noch einer spricht. Der Grund ist der Vorläufer der Idee des „Biodeutschen“ die Reichseinigung 1871 und da es an tatsächlich einigenden Kriterien mangelte brach sich das bis dahin nur in bestimmten Kreisen gesprochene Hochdeutsch die Bahn und alles andere galt als verpönt. Na und dann kamen die vermeintlich deutschen Tugenden dazu. Einige meinen, es seien preußische Tugenden, aber es sind Tugenden des Preußens deutschnationaler Prägung, vom Preußen Brandenburger Prägung, war da nicht mehr viel übrig.
 
Der Verlauf der Geschichte dieser Nationalisierung ist bekannt. Brauch ich nicht noch einmal.
 
„Biodeutsch“ ist der hilflose Versuch einer Abgrenzung. Aber „deutsch“ ist die falsche Ebene. Kann ein Einwanderer, von wo auch immer, „Deutscher“ werden (und die Staatsbürgerschaft ist hier nicht gemeint)? Nein, kann er eigentlich nicht! Warum? Nun, ich meine, daß das, was landläufig seit dem 19. Jh. bis heute als „deutsch“ angesehen wird, das schon verbietet. Diese Vorstellung, die die Rechte feiert und die die Linke verdammt, aber beide für Ihr Feiern und Verdammen als richtig erachten müssen, ist eben nicht richtig, sondern ein gekünsteltes Konstrukt und daher nicht zu gebrauchen.
 
Kann ein Einwanderer, von wo auch immer, Brandenburger werden? Ja, selbstverständlich!
Kleiner Ausflug in die Geschichte: Der polnische Graf und preußische Diplomat Atanazy Raczyński äußerte sich seinerzeit zur Reichseinigung von 1871 aus Sicht der Polen wie folgt: „Preußen haben wir werden können. Deutsche? Niemals!“ Vergleichbar, wie ich finde!
 
Und das ist auch schon des Rätsels Lösung! Wir sollten uns dem Wunsch nach Identität, die man auch pflegen darf und soll, nicht verwehren; aber wir sollten eine greifbare, überschaubare, eine heimatnahe Ebene für den Ankerpunkt unserer Identität auswählen – unsere Region. Dann klappt es auch mit den gelebten Werten, die auf andere attraktiv wirken können und dann klappt es auch besser mit den Neu-Brandenburgern, egal von wo sie kommen.
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Das Leid mit der Leitkultur (Wo ist das Mädchen, das sieht, daß der Kaiser nackt ist?)

Zur Leitkulturdebatte um die Thesen des bundesrepublikanischen Innenministers de Maizères nur soviel:

Da steht ja nun nicht viel weltbewegendes drin, das Eine oder Andere mag glücklicher oder unglücklicher formuliert sein… aber der Grund für den Aufschrei erschließt sich mir nicht ganz.
Woran ich mich bei diesen Thesen störe, ist, daß diese Thesen als Beschreibung einer „deutschen Leitkultur“ daherkommen. Was darin beschrieben wird, ist in meinen Augen nichts anderes als der europäische Wertekanon. Er gilt nicht nur in den deutschen Ländern, sondern in allen europäischen Regionen ergänzt und bereichert durch regionale Besonder- und Eigenheiten – schon innerhalb der einzelnen Staaten.

Was ich de Maizère vorwerfen würde, ist sein Versuch à la 1871 die – wie ich das sehe – eigentlich doch künstlich zu nennenden Idee des  „einheitlichen Deutschtums“ mit ebenso gekünstelten Charakterisierungen zu untersetzen, die fälschlicherweise auch noch behaupten, daß das nur auf Deutschland zutreffen würde. Mit dieser Art Thesen erleben wir eine unnötige Renationalisierung des politischen Denkens, es werden so auch zu unseren europäischen Nachbarn Grenzen gezogen, die eigentlich nicht existieren. Er dividiert vor den Augen der „deutschen“ Leser Europa eher auseinander, als daß er uns das Gefühl gibt Teil Europas zu sein. Es ist richtig, daß Integration dort besonders gut funktioniert, wo die, die schon da sind einen starke emotionale Bindung an ihre Scholle mitsamt Kultur und Wertekanon besitzen. Dem Neuankömling präsentiert sich dadurch eine attraktive Gemeinschaft, dessen Teil zu werden er sich eher vorstellen kann als nur in eine beliebige Masse geworfen zu werden. Nur sollte diese Scholle eben nicht etwas abstraktes von knapp 360Tsd. km² Größe sein. Ich bin ein großer Freund von Identität und starker Bindung an die eigene Scholle, aber ich halte dafür die großnationale Kategorie für die falsche. Eine Bundesrepublik Deutschland ist kulturell derart heterogen, daß man beim Versuch sich auf auf gemeinsame „Eigenschaften“ zu einigen, die über die Verkehrssprache hinaus gehen, zwangsläufig nur auf Gemeinplätze verständigen kann, die dann auch fehlinterpretiert werden können und in heroisierende, selbsterhöhende Bilder münden, die wenig mit dem eigentlichen Wesen der Bürger in den Region gemein haben – wir sind nicht ohne Grund als Föderation entstanden und dies bis heute geblieben.

Ich habe – anders als noch weiter links oder grün von mir – keine grundsätzliche Aversion gegen das „Deutsche“ an sich, sowie ich auch kein Problem mit dem „Französischen“, dem „Italienischen“, dem „Polnischen“ oder dem „Spanischen“ an sich habe. Ich störe mich lediglich an den Versuchen, diese großen, kulturell heterogenen Verwaltungseinheiten jeweils zum Maßstab einer einzigen Identität machen zu wollen – sowohl als Eigenbeschreibung als auch als Ergebnis einer Betrachtung von außen.. Großreiche sind nur eine Idee und brauchen künstliche Identitätsmomente, in die sich einige dann aber auch so richtig hineinsteigern können. Das ging in der jüngeren Vergangenheit schief und gleicht auch heute einem Spiel mit dem Feuer. Nur um einer 9%-Partei das Wasser abzugraben, ein zu hoher Einsatz. Alles was diese Partei über 9% bekommt ist dem undemokratischen, hysterischen Umgang mit ihr zuzuschreiben.

Letztendlich sind die zehn Thesen für sich betrachtet annähernd harmlos und rechtfertigen nicht den medialen Aufschrei, nur beschreiben sie eben nicht das typisch „Deutsche“, sondern das typisch „Europäische“. Als europäischer Regionalist erkenne ich sowie so nirgendwo etwas typisch Deutsches, es gibt regionale Gepflogenheiten, die sich auf der gedanklichen Wanderung durch Europa von West nach Ost und Nord nach Süd immer ein wenig ändern, unter direkten, regionalen Nachbarn schleichend. Ein Vergleich zwischen Start- und und Zielpunkt dieser gedanklichen Wanderung zeigt, daß wir uns aber doch unterscheiden. Und dennoch bleiben wir uns so ähnlich, daß wir alle unter das europäische Dach passen, welches auch von diesen Thesen beschrieben wird. Geeint in Vielfalt, Unterschiede erkennen, bennenen dürfen und gemeinsam feiern. So stelle ich mir ein attraktives Europa der Regionen vor. Dann klappt es auch mit der Integration, zumindest bestünde dafür dann ein deutlich attraktiveres Angebot….

Wir müssen deutlich regionaler und europäischer zugleich werden, und das auch noch mit Freude und aus tiefstem Herzen….

Eine sehr schöne Erwiderung zu den Thesen findet man hier:

Die Zehn Thesen zur Rheinischen Leitkultur

 

..noch etwas anderes…

Heute ist Tag der Pressefreiheit!

Haben Sie mal nach den 10 Thesen de Maizères zur Leitkultur gegoogelt? Auch erfahrene Internetnutzer dürften einen Weile gebraucht haben, um diese Thesen irgendwo unkommentiert am Stück zu finden. Fast überall in der Presselandschaft wird dem Leser die eigene Meinungsbildung kaum zugetraut. Allerorten finden sich Voranstellungen, Ergänzungen, Nachbemerkungen, Einordnungen der sowieso nur teilweise wiedergegebenen Thesen. Nichts gegen das Kommentieren und Werten, aber ich hätte schon gern, die Thesen irgendwo 1:1 am Stück gelesen.
Fündig bin ich letztendlich auf der Seite des Bundesinnenministers geworden.

Ich meine, daß man es uns Bürgern  schon zutrauen kann, sich anhand der wiedergegebenen, unkommentierten Thesen auch eine Meinung über den Inhalt bilden zu können. Wer diesen Link anklickt, gelangt zu den unkommentierten Thesen.

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Quo Vadis Europa?

Es rumort in Europa! Eine gewisse Unzufriedenheit mit der Entwicklung unseres Kontinents ist allerorten anzutreffen. Leider scheint die Mehrheit der EU-Kritiker, die sich durch ihr handeln dann oft doch nur als einfache EU-Gegner erweisen, nur zwei Wege für Europa zu kennen. Einen, den sie ablehnen und einen von dem sie glauben, er sei die Lösung aller Probleme.

Der Weg  der abgelehnt wird, ist der Weg in einen europäischen Zentralstaat. Diesen sieht man gerade im Entstehen begriffen. Der andere Weg ist die Vision eines Europas der Vaterländer oder Nationen. Diese für mich recht unappetitliche Vision bedeutete ein zurück in die Strukturen, die zunächst zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts führten und anschließend, als man sich besann, zur heutigen EU, die ja nun wieder Grund für diese EU-Kritiker/Gegner ist, auf „Start“ zurückkehren zu wollen. Dabei gibt es zwischen der Zentralisierung Europas und der Renationalisierung eine Menge Raum für andere Konzepte.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors, möchte ich heute einen Artikel zu der mir sympathischsten europäischen Zukunftsvision wiedergeben. Der Vision eines Europas der Regionen. Für alle die zwar EU-kritisch, aber keine EU-Gegner sind!

Der Artikel erschien erstmals am 14. September 2016 auf diepresse.com und hat bis heute nichts an Aktualität, Dringlichkeit und Berücksichtigungswürdigkeit verloren.

Das Europa des Winston Churchill

Der britische Ausnahmepolitiker skizzierte vor 70 Jahren ein Europa, das von Regionen zusammengehalten wird.

 (Die Presse)

Über die Person Winston Churchill kann man durchaus streiten, unbestreitbar aber sind sein politisches Gespür und sein spätes, aber eindeutiges Bekenntnis zu einem vereinten Europa.

Anfang nächster Woche jährt sich seine berühmte Europa-Rede zum siebzigsten Mal. Am 19. September 1946, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, hielt Churchill seine vielbeachtete Rede an der Universität Zürich. Er rief zum Aufbau eines vereinten Europas auf. Unter anderem sagte er: „Wir müssen die europäische Völkerfamilie in einer regionalen Organisation neu zusammenfassen, die man vielleicht die Vereinigten Staaten von Europa nennen könnte.“

Dieses berühmte Zitat wird zwar regelmäßig wiedergegeben, selten aber auf den genauen Wortlaut geachtet. Churchill spricht nicht von einer losen Vereinigung von Nationalstaaten, wie sie die EU heute ist. Er bezieht sich auf regionale Strukturen und daher die Regionen Europas als Einheiten – im Sinne eines Vereinten Europas der Regionen. Churchill erkannte, dass die auf Vorurteilen und Feindbildern aufgebauten ethnischen Nationalstaaten einer friedlichen und kooperativen Entwicklung Europas im Wege stehen.

Die Rede hielt Churchill nicht zufällig in der Schweiz. Er und der Begründer der Paneuropa-Bewegung, Graf Richard Coudenhove-Kalergi, erachteten den seit Jahrhunderten erfolgreich zusammenhaltenden Vielvölkerstaat Schweiz stets als Vorbild für ein zukünftiges vereintes Europa.

 

Erfolgsstory Schweiz

Die Basis der Erfolgsstory Schweiz ist ihre politische Gliederung. Im Gegensatz zur EU, Belgien oder den bereits zerfallenen Vielvölkerstaaten Jugoslawien und der Tschechoslowakei, ist die Eidgenossenschaft nicht ethnisch-national, sondern regional gegliedert. Die politischen Einheiten sind weitgehend autonome Kleinregionen (Kantone), viele von ihnen mehrsprachig und multikonfessionell. Diese basisdemokratische politische Struktur förderte die Entstehung stark ausgeprägter regionaler und überregionaler Identitäten, die alle Volks- und Religionsgruppen gleichermaßen einschliessen.

 

Aufwertung der Regionen

Dadurch werden gröbere ethnische und konfessionelle Konflikte vermieden. Die Mischung aus politisch-gesellschaftlicher Stabilität und ausgeprägter lokaler und regionaler Selbstverwaltung ermöglichten zudem den Aufbau bedürfnisgerechter wirtschaftlicher Strukturen, die in anderen Teilen Europas meist fehlen.

In diesem Sinne braucht auch Europa mittelfristig eine regionale Gliederung. Ein solches Europa der Regionen wird zwar gern in Festtagsreden gefordert, existiert aber nicht auf institutioneller Ebene. Das muss sich ändern. Eine ohnehin längst überfällige Reform der EU sollte daher nicht nur die Entrümpelung der EU-Bürokratie und eine Stärkung von EU-Kompetenzen in Bereichen wie der Währungspolitik, der Migration, dem Grenzschutz, der Verteidigung und der Außenpolitik beinhalten. Es sollten vor allem auch die Kompetenzen von Gemeinden und Regionen auf subsidiärer Grundlage nach Schweizer Vorbild europaweit festgelegt werden.

Insbesondere in zentralistischen Nationalstaaten wie Frankreich, Polen, Rumänien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und Griechenland, aber auch in semi-föderalen Staaten wie Deutschland oder Österreich würde eine solche Aufwertung der Regionen und Kommunen nicht nur den Nationalismus schwächen, sondern neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Impulse geben. Es wäre die einzig richtige Antwort auf den Brexit und Anti-EU-Populismus der heutigen Zeit.

Peter Jósika ist ein in der Schweiz lebender österreichischer Manager, Autor, Historiker und Politikwissenschaftler.

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#AnotherEurope
#WirBrandenburger

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Prozenthürden

Die Parlamentswahlen in den Niederlanden am gestrigen Tage mal als Aufhänger für eine deutsche Seltsamkeit: unsere 5%-Hürde(n).

In den Niederlanden gibt es keine Prozenthürde. Für einen der 150 Sitze im Parlament (Tweede Kamer der Staten-Generaalreicht also 1/150 der Stimmen, also 0,67%.

So wie es aussieht, werden demnach 13 Parteien ins Parlament einziehen. In Bund und Ländern Deutschlands wird die 5%-Hürde immer mit Blick auf die Geschehnisse der Weimarer Republik gern als Garant für die Stabilität der Demokratie ausgegeben.

Hm, haben die Niederländer kein Interesse an Stabilität? (Ad hoc fallen sie mir jedoch nicht als Wackelkandidaten in Sachen Demokratie ein). Vielleicht ist die Bundesrepublik ja auch einfach nur falsch aufgestellt oder gar  zu groß für eine ordentliche Demokratie?

Hätten wir keine 5%-Hürde, wären 2013 statt der 4 bzw 5 (CDU/CSU) Parteien 14 bzw. 15 Parteien in den Bundestag eingezogen:

bei 598 Sitzen, folgende (ohne Überhang- und Ausgleichsmandate, nur Zweitstimmenanteil berücksichtigt)

 CDU 204 Sitze
 SPD 154 Sitze
Die Linke 52 Sitze
 B´90/Grüne 51 Sitze
 CSU  45 Sitze
 FDP 29 Sitze
 AfD 29 Sitze
 Piraten 13 Sitze
 NPD 8 Sitze
 Freie Wähler 6 Sitze
Tierschutzpartei 2 Sitze
ÖDP 2 Sitze
pro Deutschland 1 Sitz
REP 1 Sitz
Die Partei 1 Sitz

Auch hier wäre eine Schwarz-Rote Koalition möglich gewesen.

Rot-Rot-Grün wäre im Gegensatz zur heutigen Zusammensetzung allerdings nicht möglich gewesen. Wäre das nun antwas, das man einem Systems ohne Prozenthürden anlasten könnte?

Rot-Rot-Grün wäre in dieser Legislatur möglich gewesen, weil 6.595.625  (fast 6.6 Mio) Stimmen, die ohne Prozenthürde für 92 Sitze gesorgt hätten, in unserem heutigen Wahlsystem einfach unter den Tisch fallen.

Hätten die Niederländer eine 5% Hürde, wären statt 13 nur 7 Parteien im Parlament, das heißt 16,3 % der Wählerstimmen, die sonst zu einem Mandat geführt hätten blieben unberücksichtigt

Tut mir Leid, bin kein Fan von Prozenthürden…

Ach und noch etwas, gar nicht so unwichtiges am Ende…

In letzter Zeit wird ja von verschiedenen Kreisen Stimmung für eine Verkleinerung des Parlaments gemacht (Wejen dit vülle Jeld und die tun ja eh nüscht tun). Egal ob mit oder ohne Prozenthürden. Weniger Abgeordnete bedeutet auch, daß mehr Stimmen für einen Sitz nötig wären. Das würde die größeren Parteien weiter stärken und die kleineren schwächen….

#AnotherEurope
#WirBrandenburger

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Kurzer Einwurf pro Föderalismus und Subsidiarität

Schulsysteme, Kitagebühren, Anbauverbote etc., immer öfter fordert eine Gruppierung, ein Verband, eine Interessenvertretung oder auch eine Partei  bundeseinheitliche Lösungen und etliche Bürger scheinen das zu unterstützen – auch ohne zu schauen oder gar zu untersuchen, wer das eigentlich  fordert und warum. Mit jeder Vereinheitlichung von Gesetzen auf Bundesebene schmälert man Gestaltungsmöglichkeiten auf der Landesebene. Man ruft für immer mehr Bereiche nach bundeseinheitlichen Regelungen, also im Prinzip nach der Abkehr von Föderalismus und Subsidiarität. Das sind interessanterweise oft die gleichen Menschen, die eine Vereinheitlichung/Gleichschaltung auf der nächsthöheren Verwaltungsebene, der europäischen, vehement ablehnen.

Ich lehne diesen Drang zum Zentralismus eben nicht erst ab der EU-Ebene ab, sondern schon auf der Bundesebene.

Was hindert uns Brandenburger daran, das in unseren Augen beste Modell in einer Angelegenheit auch für uns zu fordern, von unseren Parlamentariern auf der Landesebene? Warum sollen wir warten, bis sich 16 Bundesländer auf ein Modell geeinigt haben – ach halt, wenn die Zentralisierung abgeschlossen ist, dann muß man nur den Bund überzeugen.

Hm, Moment! Also ich halte es für einfacher, eine Legislative, die für 2,5 Mio Bürger auf knapp 30 Tsd. km² wirkt zu erreichen und zu überzeugen, als eine Legislative, die für 82 Mio Bürger auf 360Tsd km² zuständig ist.
Im Bundestag sitzen derzeit 12 Brandenburger Abgeordnete (nicht zu vergessen in 4 Fraktionen). Auf jeden Brandenburger Abgeordneten kommen also gut 204.000 Brandenburger. Tja und dann gibt es da noch 618 Abgeordnete aus anderen Ländern. Im Brandenburger Landtag Sitzen 88 Abgeordnete (gut 27.800 Ew./Abgeordneter) die Mehrheit liegt bei 45 und nicht bei 316. Da sollte eine Mehrheit für Brandenburger Angelegenheiten, die auch nach heutiger Rechtslage in Brandenburg allein geklärt werden können, doch schneller in Brandenburg zu organisieren sein als im Bund, oder?

Wieso soll es nicht möglich sein, daß Brandenburger in Brandenburg für Brandenburg und für Brandenburger ihre Belange regeln? Jeder Abgeordnete des Brandenburger Landtages betreibt ein Abgeordnetenbüro, ist erreichbar. Jeder Abgeordnete ist in einer Partei oder Vereinigung organisiert, die man mal besuchen oder der man auch beitreten kann.
Ich stelle es mir bedeutend einfacher vor für uns vor Ort,  hier in Brandenburg etwas erreichen können, als über Berlin oder Brüssel gehen zu müssen.

Abbau von föderalen und subsidiären Strukturen dient immer der Stärkung von Zentralismus. Zentralismus führt und führte immer, über kurz oder lang, bei den einen zu einer Schwächung der Identifikation mit der entsprechenden „Verwaltungseinheit“, somit zu politischem Desinteresse und einer Verweigerung der demokratischen Teilhabe – man überläßt das Feld quasi jenen, die darin eine Chance erkennen; bei anderen hat Zentralismus den gegenteiligen Effekt, führt zu übersteigerter Identifikation, die irgendwann im Chauvinismus endet und in seiner Wirkung durch die Verweigerungshaltung Erstgenannter auch noch verstärkt wird.
Zentralismus ist schon mehr als einmal  gescheitert und er dürfte auch einer der Gründe sein, warum viele Europäer perspektivisch ein zunehmendes Unbehagen mit Aufbau und Funktion der heutigen EU empfinden.

Wenn man etwas auf naher Ebene regeln kann, so sollte man das auch tun. Schützt auch vor Ausreden über bundesdeutsche oder europäische Hindernisse.

 

#AnotherEurope
#WirBrandenburger

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Kurzer Einwurf: Trump als Chance?!

Machen wir uns nichts vor, weder unter Clinton noch unter Trump hätten sich die USA in eine Sozialstaat europäischer Prägung verwandelt.

Auch bin ich der Meinung, daß die Wahrscheinlichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung direkt oder indirekt zwischen den USA und Russland, die sich um den Brennpunkt Syrien entfesseln könnte, unter Clinton deutlich höher einzuschätzen wäre als unter Trump. Die in vielen Medien verbreitete Ansicht, daß Trump außenpolitisch unklar wäre, teile ich nicht ganz. Er ist wohl das, was man einen Paläokonservativen nennt, also nichts für den europäischen Geschmack, aber diese Strömung (Sarah Palin ist eine weitere Vertreterin) bringt es mit sich, daß man außenpolitisch eher auf Isolation als auf Expansion setzt. Mehrere dahingehende Andeutungen hat es von Trump im Wahlkampf gegeben.

In dieser unmöglichen Wahl sehe ich also ein Chance für uns Europäer. Ratlos und verzweifelt sind heute eigentlich nur jene, die bisher in Vasallentreue nach Washington schauten und durch die jahrelange Übung darin, das eigene Denken, Konzipieren und Entscheiden verlernt haben.

Die Unmöglichkeit Trumps, so meine Hoffnung, kann zu einer Emanzipation EU-Europas führen. Wir Europäer haben nun die bisher für nicht möglich gehaltene Chance, politisch wieder auf eigenen Beinen zu stehen – nicht um „great again“ zu werden, sondern um Politik für die Bürger zu machen und stärker den tatsächlich europäischen Interessen zu folgen.
Ich meine, daß wir heute Zeuge des Eintritts in eine weitere Phase des Niedergangs einer Hegemonialmacht wurden. Wir haben nun die Wahl mit ihr unterzugehen oder uns zu emanzipieren. Ich hoffe auf letzteres.

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Olympia regional

Die Olympischen Spiele sind vorbei.

Mit einem Augenzwinkern und für alle Freunde des Regionalen hier eine Statistik zur Deutschen Olympiamannschaft, aufgeschlüsselt nach Herkunftsregionen. Also so, wie es durchaus sein könnte, wenn wir schon ein Europa der Regionen hätten…

medaillenspiegel regional

Erläuterung: Sortiert wurde nach historischen Regionen bzw. Kulturlandschaften; dennoch lassen sich recht leicht auch die Daten nach Bundesländern herauslesen.

Baden und Württemberg wurden getrennt betrachtet. Ebenso Schleswig und Holstein. Auch erlaubte ich mir, zwischen Franken und Bayern zu unterscheiden.

Ferner wurde das Bindestrichland Nordrhein-Westfalen in seine Bestandteile aufgeteilt, also Westfalen und Rheinland. Dem Rheinland wurden der Ordnung halber natürlich auch die entsprechenden Teile eines weiteren Bindestrichlandes zugerechnet; Rheinland-Pfalz. Der Rest dieses schönen Landes wurde als „Pfalz“ einzeln gewertet. Wobei sich der Pfälzer darüber sicher nicht grämt, ist die Pfalz doch mehr als doppelt so groß wie das Saarland (5451,09 km² zu 2569,69 km²) und ist sie auch Heimat für mehr Menschen als es das Saarland ist (1,4 Mio zu nicht ganz 1 Mio).
Überhaupt wundert man sich bei der Betrachtung von Regionen schon, zumindest ich tue das, wie einige der dem Namen nach vertraut klingenden Bundesländer zum Teil doch willkürlich zusammengewürfelte Angelegenheiten zu sein scheinen (gut, gut, ich kann es mir erklären, dennoch…)

Wohingegen Berlin natürlich zu Brandenburg gezählt wurde. Historisch gehören wir zusammen und die Trennung ist ein Relikt des heißen und Kalten Krieges. Jeder anständige Brandenburger gesteht dem Berliner eine Besonderheit nur in dem Maße zu, wie das auch die Bayern mit einem Münchner tun, aber eben nicht mehr. Berlin ist nur die größte Stadt Brandenburgs 😉 . Ebenso klar, daß die historisch Freien Städte Bremen und Hamburg auch in dieser Statistik ihre Eigenständigkeit behalten durften.

Verzichtet wurde – anders als beim „Kunstland“ Rheinland-Pfalz – darauf das „Kunstland“ Sachsen-Anhalt in seine historischen Bestandteile aufzudröseln. (das hätte mir einfach zu lange gedauert)

Hier also die Platzierung der Regionen nach Herkunft (Geburtsort, frühe Kindheit, Kindheit/Jugend – nicht derzeitiger Wohnort) der 449 „deutschen“ Olympiateilnehmer:

Region                         Teilnehmer

  1. Rheinland             75
  2. Brandenburg        59
  3. Württemberg       38
    Hessen                  38
  4. Bayern                   33
  5. Sachsen                 32
  6. Westfalen             28
  7. Baden                    26
  8. Niedersachsen     25
  9. Hamburg              18
  10. Franken                14
  11. Sachsen-Anhalt   11
  12. Holstein                 9
  13. Thüringen             8
  14. Bremen                  6
  15. Saarland                5
    Pfalz                       5
  16. Mecklenburg        4
  17. Schleswig              2

Die an 449 fehlenden Teilnehmer kamen erst so spät in hiesige Gefilde, daß man auch mit bestem Willen nicht unterstellen kann, daß eine der hier benannten Regionen irgendwas dazu „beitragen“ konnten, daß sich der Teilnehmer seinem Sport zuwenden wollte. In der Regel übten sie vorher schon ihren Sport erfolgreich aus.

Was die Teilnehmerzahl angeht, liegt das Rheinland vorn, gefolgt von Brandenburg, Hessen und Württemberg. Die einzige Region, die keinen Sportler entsandte ist ein Teil eines Bindestrichlandes: Vorpommern (Das heutige Vorpommern ist mit 7.137 km² zwar größer als die Pfalz, hat mit weniger als 500.000 Einwohnern aber fast nur ein Drittel der Einwohner der Pfalz.)

Kommen wir nun zum Medaillen-Spiegel nach Regionen:

(Bei Mannschaftssportarten, wurde die Medaille eines jeden Sportlers gewertet)

Region                      Gold           Silber       Bronze

  1.  Rheinland              10               7               19
  2.  Sachsen                   9                4                0
  3.  Brandenburg          8                4 ´             9
  4.  Württemberg          3                 5                1
  5.  Niedersachsen        3                 3               5
  6.  Hessen                      3                 2               3
    Westfalen                  3                 2               3
  7.  Bayern                      2                 4               2
  8.  Baden                       2                 2               3
  9.  Thüringen                2                 0               2
  10.  Sachsen-Anhalt       1                 1                1
  11.  Schleswig                  1                 1               0
  12.  Franken                     1                0               3
  13.  Saarland                    1                0               0
  14.  Holstein                    0                2               1
  15.  Mecklenburg            0                2              0
  16.  Hamburg                   0                1              12
  17.  Bremen                      0                1               1
  18.  Pfalz                           0                1                1

Und hier die Übersicht nach Gesamtmetall:

Region              Medaillen

  1. Rheinland          36
  2. Brandenburg     21
  3. Hamburg           13
    Sachsen              13
  4. Niedersachsen  11
  5. Württemberg     9
  6. Bayern                 8
    Hessen                8
    Westfalen           8
  7. Baden                  7
  8. Franken              4
  9. Thüringen          4
  10. Holstein              3
    Sachsen-Anhalt 3
  11. Bremen               2
    Mecklenburg     2
  12. Pfalz                    2
    Schleswig           2
  13. Saarland             1

Aus dem Zyklus der unnützen Statistiken, aber für die wohlwollende, regionalbezogene Frotzelei am Stammtisch durchaus geeignet, hier eineAussagen zum Thema Effizienz:

Medaillenausbeute in Prozent

  1. Schleswig                          100,00 %
  2. Hamburg                             72,22 %
  3. Thüringen                           50,00 %
    Mecklenburg                      50,00 %
  4. Rheinland                           48,00 %
  5. Niedersachsen                   44,00 %
  6. Sachsen                               40,63 %
  7. Pfalz                                     40,00 %
  8. Brandenburg                      35,59 %
  9. Holstein                               33,33 %
    Bremen                                33,33 %
  10. Westfalen                            28,57 %
    Franken                               28,57 %
  11. Sachsen-Anhalt                 27,27 %
  12. Baden                                  26,92 %
  13. Bayern                                 24,24 %
  14. Württemberg                     23,68 %
  15. Hessen                                 21,05 %
  16. Saarland                              20,00 %

Und für die Leute die doch noch nicht anders können, hier eine Übersicht der Teilnehmerherkunft nach aktuellen, ebenso klassischen, wie oft auch künstlich zugeschnittenen Bundesländern:

Bundesland Teilnehmer

  1. Nordrhein-Westfalen                 89
  2. Baden-Württemberg                  64
  3. Bayern                                           47
  4. Hessen                                           38
  5. Sachsen                                          32
  6. Berlin                                              30
  7. Brandenburg                                 29
  8. Niedersachsen                               25
  9. Rheinland-Pfalz                            19
  10. Hamburg                                        18
  11. Sachsen-Anhalt                             11
    Schleswig-Holstein                       11
  12. Thüringen                                        8
  13. Bremen                                             6
  14. Saarland                                           5
  15. Mecklenburg-Vorpommern         4

…. und um sich die Medaillen pro Bundesland auszurechnen, benötigt man noch die Info, daß der Rheinlandanteil von Rheinland-Pfalz 2 Gold, 2 Silber und 2 Bronze und der Berlinanteil 2 Gold, 1 Silber und 7 Bronze beträgt.

 

#WirBrandenburger

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Der vergessene Feiertag: In dieser Woche feiern wir 858 Jahre Brandenburg -zumindest sollten wir das…

Der vergessene Feiertag:

Am 11. Juni 1157 erobert der Askanier Adalbert von Ballenstedt die Brandenburg aus den Händen von Jaxa von Köpenick – ein Fürst der slawischen Sprewanen.
1150 starb der letzte slawische, aber schon christliche Fürst der Heveller, Pribisław-Heinrich. Dieser hatte seinem ihm wahrscheinlich sogar freundschaftlich verbundenen „Nachbarn“, dem Markgrafen der Nordmark, Adalbert von Ballenstedt, die Burg und sein Fürstentum vererbt. Eine Freundschaft zwischen beiden kann angenommen werden, da Pribisław-Heinrich bereits 1128 dem Sohn Adalberts, Otto, die Zauche zum Taufgeschenk machte – liegt hauptsächlich im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Jaxa von Köpenick fühlte sich im Testament Pribisław-Heinrichs übergangen und eignete sich kurzerhand die Burg an, bis Adalbert sie sich am 11. Juni 1157 „zurückholte“. An diesem Datum – so sagt man – wurde aus der Nordmark die Mark Brandenburg.
Adalbert von Ballenstedt ist für uns Märker heute: Albrecht der Bär! Der 11. Juni 1157 gilt als Geburtstag der Mark.

Wir könnten also am 11. Juni dieses Jahres 858 Jahre Brandenburg feiern, zumindest sollten wir das. Leider haben die meisten Brandenburger dieses Datum nicht auf dem Schirm oder im Kalender; auch von offizieller und öffentlicher Seite geschah in den letzten Jahren an diesem Datum recht wenig – abgesehen vom Jahre 2007, da gab es zum 850. Geburtstag einige Fachveranstaltungen  und offizielle Akte, allerdings ruhte schon im Folgejahr der See in Brandenburg am 11. Juni still. So ist das leider in Brandenburg in Sachen Regionalbewußtsein und der landsmannschaftlichen Identität, die hier erfreulich anderen Gesichtspunkten folgen könnte als in vielen anderen Landstrichen.

Also:

Hie gut Brandenburg allwege und herzlichen Glückwunsch!

Wer sich traut, kann ja dieses Bild in Facebook-Titelgröße in dieser Woche über seiner Chronik thronen lassen:

11061157Brandenburgdatum

#AnotherEurope
#WirBrandenburger

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Lesen Sie Brandenburg!

Viele Menschen lesen gern historische Romane, vor allem dann, wenn sie gut recherchiert sind und in einem realen historischen Kontext stehen.

Die meisten dieser Menschen werden sich blendend in der Geschichte Frankreichs und Großbritanniens auskennen. Um nicht mißverstanden zu werden, es gibt phantastische Literatur aus diesen und über diese Länder. Aus der Uthred-Saga von Bernard Cornwell möchte wohl niemand einen der bisher erschienenen 7 Bände vermissen. Diese Reihe wäre eine dringende Empfehlung an alle, die sich für das frühmittelalterliche England interessieren. Aber gibt es nicht auch etwas Vergleichbares für Brandenburg. Es wäre doch gelacht, wenn es über ein Land aus dem Reigen der ältesten Länder in Mitteleuropa nicht eine Fülle historischer Romane gäbe! Es gibt sie leider nicht, die Fülle von Romanen; aber es gibt einige Romane. Vier davon sollen hier kurz erwähnt werden:
(Kurzbeschreibungen zum Inhalt finden Sie auf den verlinkten weiterführenden Seiten nach einem Klick auf die Abbildungen)

Brandenburg im 10. Jahrhundert:

Brandenburg im 12. Jahrhundert:

Brandenburg im 15. Jahrhundert:

Brandenburg im 17. Jahrhundert:

Noch mehr Leseempfehlungen rund um Brandenburg gibt es unter:

bb-buch.de

und

 

#WirBrandenburger

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