Brandenburgbewußtsein – 11. Juni for Feiertag! (irgendwie muß man ja anfangen)

Angestoßen um die Diskussion zu Überlegungen der Brandenburger Landesregierung in Brandenburg den 8. Mai zu einem Brandenburgeigenen Feier-/Gedenktag zu erklärenn hier ein Gegenentwurf:

Wenn Brandenburg sich einen eigenen Feiertag gönnen möchte, dann vielleicht einen urbrandenburgischen und keinen der die Folgen gesamtdeutschen nationalistischen Wahns behandelt. In weiten Teilen bestimmen die dunklen Flecken, die Schattenseiten der Geschichte die deutsche Identität.

Ein solcher urbrandenburgischer Feiertag könnte der 11. Juni sein, in Gedenken an die Gründung der Mark Brandenburg im Jahre 1157.

Ich wundere mich immer wieder, wie sehr national fokussiert wir doch immernoch sind, obwohl wir wissen, was ein solches Denken Mitteleuropa eingebracht hat. Ein wenig mehr Regionalität und Regionalbewußtsein können da nicht schaden; auch im Sinne der Vorbeugung.

Dazu passend, ein Zitat von der Webseite des Deutschlandfunks aus einem Beitrag der auch unter der Überschrift „Art der Geschichtsschreibung im Wandel der Zeit“ stehen könnte:

„Weil Geschichtswissenschaft die längste Zeit, bis Mitte des 20. Jahrhunderts definitiv, eine sehr affirmative Geschichtswissenschaft gewesen ist. Eine Geschichtswissenschaft, die vor allen Dingen dazu diente, den Nationalstaat zu legitimieren. Erst in den 70er-, 80er-Jahren, wo eine kritische Geschichtswissenschaft sich Bahn brach, gab es auch eine Aufmerksamkeit für Orte, die nicht zur Legitimation des Nationalstaates dienen, und das ironische an dieser Entwicklung ist, dass wir unsere Identität heute vor allen Dingen aus diesen gebrochenen Orten beziehen. Früher haben diese gebrochenen Orte die Identität eher gestört und heute haben wir eher eine kritische Identität, die genau diese bösen Orte, diese Schattenorte braucht und daraus ihr Selbstverständnis bezieht.“

Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/tagung…icle_id=312115

Gegen einen 8. Mai als Gedenktag ist an sich nichts einzuwenden, diesen aber dann bundesweit – obwohl ich hier gern den 9. November in Erinnerung rufen möchte, welcher für die nationale Geschichte sowohl Gedenk- als auch Feiertag wäre. Scham und Schande, Glück und Freude.

Die Provinz Brandenburg im entmachteten Freistaat Preußen hatte am Ausbruch und am Ende des Krieges keinen gesondert zu betrachtenden Anteil. Dies ist eine gesamtdeutsche, heute also bundesrepublikanische Bürde.

Dennoch finde ich den Ansatz einen brandenburgeigenen Gedenk- und Feiertag einzuführen sehr interessant und wichtig, aber eben zu einem Brandenburger Thema, nach Möglichkeit identitätsfördernd.

Ein brandenburgeigener Feiertag hat nach meinem Dafürhalten brandenburgexklusiv zu sein. Er sollte sich um ein brandenburgeigenes Thema drehen und auch geeignet sein die regionale Identifikation zufördern und somit Identität entwickeln helfen. Der 11. Juni bietet sich geradezu an, diese Aufgabe zu übernehmen.
(Der wahre Brandenburger kann – wenn er Deutschland nicht feiern möchte – auch schon heute am 3. Oktober Brandenburg feiern. Am 3. Oktober 1157 benutzte Albrecht der Bär zum ersten mal selbst den Titel Markgraf von Brandenburg, die Jahre zuvor hat er sich noch ein wenig geziert )

Es gibt alle zwei Jahre den Brandenburgtag, man könnte damit beginnen diesen auf den 11. Juni zu legen; fix. Beim letzten Brandenburgtag hat es ganze 2 oder 3 Brandenburgflaggen auf dem Festgelände gegeben, dies sogar nur auf Initiative Einzelner und nicht als Bestandteil der Organisation. Traurig!
Ferner meine ich, dass Europa vor einem Umbruch steht, nachfolgendes klingt aus heutiger Sicht vielleicht noch ein bisschen spinnert, aber ich wage mal eine Prognose für die nächsten 50 Jahre (friedliche Beilegung europäischer Krisen vorausgesetzt).

Ich denke, dass sich EU-Europa weiterentwickeln wird. zugleich  hoffe ich, dass es nicht in Richtung eines zentralistisch geführten Superstaats geht. An den heutigen Krisen in der EU kann man ziemlich genau beobachten, wie sehr nationales Denken immernoch geeignet ist Stimmung zu erzeugen und Menschen zu instrumentalisieren. Mein Wunsch wäre es, dass wir erkennen, das der Nationalismus ausgedient hat. Wenn der Franzose weiter auf seinem Frankreich besteht und der Deutsche auf seinem Deutschland und beide meinen das hübsch verpackte Konzerninteressen das französische oder deutsche „Interesse“ abbilden würden, ist das letztendlich auch nur eine weitere, moderne Form von alten Nationalismus.

Es gibt seit einigen Jahren, quer durch Europa ein Erstarken regionaler/regionalistischer Bewegungen. Die Schotten scheiterten bei einem Volksentscheid nur knapp daran, sich von Großbritannien lösen zu können. Die Katalanen, haben ähnliches vor, einige Bayern auch. Ebenso gibt es regionalistische Bestrebungen nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit in der Bretagne, der Normandie, in Okzitanien (im Prinzip der komplette Süden des heutigen Frankreichs), in  Venetien, der Lombardei, Sizilien und in Süd-Tirol sowieso – eigentlich in ganz Europa. Auch hier in Brandenburg (und in Sachsen) gibt es mit der Lausitzer Allianz eine Partei, die zwar noch nicht landesweit in Erscheinung getreten ist, ihren Fokus aber streng auf die Lausitz und die sorbisch/wendische Tradition legt. Mit dem Südschleswigschen Wählerverband sitzen Regionalisten in einer Landesregierung. In ganz Europa gibt es Regionalparteien die sich für ein Europa der Regionen einsetzen. Parteien denen es auf Föderalismus, Subsidiarität, Selbstbestimmung, Wahrung der regionalen Vielfalt in Sprache und Kultur sowie auf mehr Bürgernähe und Direktdemokratie unter einem europäischen Dach ankommt.

Ich halte dieses Europa der Regionen für die vorzuziehende Alternative gegenüber dem Europäischen Superstaat der sich unter deutscher Führung zu formieren droht und auf seinem Weg aber jede Menge sprengstoffgeladenen Momente bereithalten würde.

Wenn man von rechts und von links weiter auf die nationalen Schiene beharrt, die einen, um sie zu feiern, die anderen, um sie zu verdammen, ist eine Abkehr vom nationalen Denken als Grundlage des Handelns letztendlich unwahrscheinlich. Man sollte vielleicht anfangen so ein Thema nicht deutschlandzentriert, sondern europäisch zu sehen.

Weit ausgeholt für ein Brandenburgthema, aber ebenso, wie es ein Fehler ist, anzunehmen das man ein Deutschlandthema heute noch isoliert betrachten kann, wäre es auch ein Fehler ein Regionalthema nur isoliert zu betrachten.

Eine Unterstützung für den 8. Mai als brandenburgeigenen Feier-/Gedenktag richtet sich in seiner Zielrichtung aber wieder nur nach innen auf ein schon – wie ich eben meine – gut besetztes und bearbeitetes Feld, hat nichts zukunftsweisendes.

Eine Vorreiterrolle hätte Brandenburg, wenn es sich mit seinem EIGENEN Feiertag von der nationalen Schiene verabschiedet und seine Bürger anhält sich als Brandenburger in Europa zu fühlen.

Ich denke auch aktuelle Diskussionen würden um eine angenehme Perspektive erweitert, wenn uns Brandenburgern unsere Historie wirklich bewußt wäre und wir uns dieser auch ein wenig verpflichtet fühlten.

In unserem schönen Land gibt es zuhauf Ortsnamen die auf „-ow“, „-in“ oder „-itz“ enden, Es gibt Orte denen ein „Klein“ vorangestellt ist. Alles Hinweise auf einen slawischen Ursprung der Siedlung.

Ja, während der (früh)mittelalterlichen Ostsiedlung bekämmpften sich die Eliten, die einfache Bevölkerung vermischte sich aber.

Nationalisierende Geschichtsschreibung reduziert den Kampf auf „Deutsche gegen Slawen“; früher, um eine Sieg zu feiern und den nationalen Gründungsmythos zu untermauern, heute um das Ganze einfach nur zu verdammen. Beide Seiten unterschlagen dabei aber, daß auch polnische Fürsten gegen die hier siedelnden Slawen vorgingen. Es war eben kein Kampf „deutsch“ gegen „slawisch“ sondern „christlich“ gegen „heidnisch“.

Und dennoch, auch unter den Eliten gab es friedliche Verbindungen. So wurde die Gründung der Mark – so, wie sie von statten ging – erst möglich weil ein slawischer, aber schon christlicher Fürst, Pribislaw-Heinrich, mit Sitz auf der Brandenburg, den Askanier Albrecht von Ballenstedt als Erben einsetzte. Zuvor machte dieser Pribislaw-Heinrich dem Sohn Albrechts, der spätere Markgraf Otto I., die Zauche (liegt im heutigen Landkreis Potsdam Mittelmark) zum Taufgeschenk.

Seitdem war Brandenburg das, was man in der Moderne ein Einwanderungsland nennen könnte, in dem das vorherrschte was man heutzutage als Integrationskultur definiert – hier gab es schon „multikulti“, bevor das Wort dafür kreiert wurde – immer aber unter einem belastbaren Wertekanon (das scheint mir heute zu fehlen).  Dies war so in der Mark Brandenburg und später auch in Preußen, bis, ja bis es später auf einmal wichtig wurde vor allem „deutsch“ zu sein. Damit fingen die Probleme an.

Der ständige Zustrom von Menschen die Zuflucht oder nur ein besseres Leben suchten war prägend für unseren Landstrich. Wir sind – so meine ich – gerade wegen unserer Entstehungsgeschichte und der multikulturellen Ausrichtung bis ins 19. Jh hinein eigentlich weniger „deutsch“ als viele andere deutsche Länder; in jedem Falle weniger als das so mancher wahr haben möchte.  Wir sind eine herrliche Promenadenmischung!

Unser Landstrich könnte auch als Brücke begriffen werden zwischen Ost und West. Es gibt in der Geschichtswissenschaft den Begriff „Germania Slavica“ es bezeichnet neben anderem auch unsere Gegend und grenzt unsere „Ecke“ vom sonst römisch geprägten Rest der deutschen Länder ab. Zu Recht, wie ich finde. Es gibt da bis heute klar erkennbare Mentalitätsunterschiede, die nicht zwingend nur mit 40 Jahren DDR zu erklären sein müssen.

Warum „nicht Deutschsein“ ein Makel sein soll, erschließt sich mir nicht. Geboren wurde dieser Makel aber wohl im 19. Jh. Es gibt eine interessante Studeienarbeit mit dem Titel „Polen in Preußen – Zur preußischen Polenpolitik im 19. Jahrhundert„, die diese Thema berührt. Darin wird u.a. auch die Erhebung der Daten für den preußischen Zensus beschrieben. Interessant ist der Wandel einzelner Fragestellungen. Am Anfang wurde lediglich nach den Sprachen, die man sprach gefragt (Zweisprachigkeit war in weiten Teilen des frühen Brandenburgs und später auch in Preußens usus). Irgendwann wurde explizit gefragt ob man „auch Deutsch“ sprach. Am Ende wollte man wissen, ob  „Deutsch“ die Muttersprache ist, die anderen Sprachen waren nachrangig.

Alles Nichtdeutsche wurde mehr und mehr ein Makel. Auch hier in Brandenburg, aber doch erst ziemlich spät, im 19. Jh..

Das Ende des Liedes ist, das heute Neonazis mit Nachnamen, die womöglich auf „–itz“ und „–ow“ oder „-owski“ enden, Jagd auf Sorben machen, weil Sie meinen die „deutsche Sache“ verteidigen zu müssen.

Mit ein wenig Geschichtswissen würden diese vermeintlich reindeutschen Arier vielleicht aber wissen, daß sie die Eindringlinge und Fremdkörper sind, die hier in einem Gebiet ihr Unwesen treiben, das aus einer Vermischung von Slawen und Germanen entstand. Sie würden vielleicht auch dahinter kommen, daß sie – wenn sie selbst waschechte Brandenburger sind – ebenso eine Promenadenmischung sind. Damit die sich aber so richtig bekloppt fühlen können, müßten auch alle anderen Brandenburger ein wenig mehr über ihre Heimatgeschichte wissen.

Mit Kenntnis des historischen Hintergrunds wäre den Nazispackos vielleicht bewußt, was es mit der Besiedelung der späteren Mark Brandenburg auf sich hatte, daß die ersten Brandenburger eine Mischung aus frühmittelaterlichen Slawen und fühmittlealterlichen Sachsen waren (nicht die Sachsen aus dem Süden, damals lag Sachsen noch im Westen ). Daß wir Brandenburger eine – ich wiederhole es gern – bunte Promenadenmischung sind und auch über die Jahrhunderte blieben und sie würden vielleicht wissen, daß auf dem heute Brandenburger Gebiet der ehemaligen Mark Lausitz der letzte sichtbare Beweis von etwas lebt, das so seinerzeit in der gesamten späteren Mark Brandenburg anzutreffen war und der uns Brandenburger Hinweis auf unsere Frühgeschichte gibt. Sie würden wissen, daß nicht „unsere Vorfahren“ hier auf Slawen trafen, sondern daß Slawen und Germanen hier zu den Vorfahren waschechter Brandenburger wurden.

Wenn wir uns also auf den Weg in ein neues Europa machen möchten, so gehört dazu nicht nur ein europäisches Bewußtsein, sondern eben auch ein Regionalbewußtsein. Und da man irgendwo anfangen muß, schlage ich vor den 11. Juni in Brandenburg zum Feiertag zu erheben.

Literaturempfehlungen zum Thema:
Wie die Mark entstand: 850 Jahre Mark Brandenburg (erhältlich z.B. im Landesarchäologischen Museum Brandenburg)

Der Wandel um 1000

Transformationen und Umbrüche des 12./13. Jh.

 

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Kurzer Einwurf: Recht auf trerritoriale Integrität versus Selbstbestimmungsrecht

Rede Dr. Gregor Gysis (Die Linke) am 13. März 2014 im Bundestag zur Krim-/Ukrainekrise

Stimme der Linken und Herrn Gysi in der Analyse und auch bei den meisten Schlußfolgerungen zu; nur in einem Punkt habe ich eine andere Auffassung. In der Bewertung des Rechtes auf territoriale Integrität. Dieser Begriff fällt zwar nicht in der Rede, meine aber, daß er auch bzw. vornehmlich gemeint war, wenn das Völkerrecht erwähnt wurde. Ja, es gibt wohl ein Recht auf territoriale Integrität, es sollte heutzutage wohl vornehmlich eine Abwehr von Angriffen von außen rechtfertigen und ermöglichen, Und bei „Angriffen“ von innen? Da steht das Recht auf territoriale Integrität womöglich dem Selbstbestimmungsrecht gegenüber (welches ich eng betrachtet als Recht der Völker, Volksgruppen und Bevölkerungsteile oder Bewohner einer Region auffassen wollte). Wenn ich diese zwei Rechte nun gegeneinander abwiegen müsste und entscheiden müsste welches Rechtsgut höher zu bewerten ist, würde ich meinen, daß bei einem „Angriff von innen“ das Selbstbestimmungsrecht höher zu bewerten ist als das Recht auf territoriale Integrität des übergeordneten „angegriffenen“ Subjekts. Die Linke hat da offensichtlich eine andere Auffassung.  Für mich ist es aber so, daß die Rechtfertigung das Recht auf territoriale Integrität über das Recht auf Selbstbestimmung zu stellen, sich aus einem Verständnis und einer Zeit ableitet als der Souverän noch ein Monarch war. Dort wo das Volk, der Wähler der Souverän ist, sollte das Selbstbestimmungsrecht gewichtiger sein. So wäre es dann auch im gewissen Sinne Aufforderung an die Mandats- und Amtsträger, möchte man territoriale Integrität erhalten, sich in ihren Entscheidungen und Handeln hauptsächlich an den verschiedenen Bedürfnissen des Souveräns zu orientieren. Man sollte meinen, daß der Souverän diese Stellung schon heute inne habe, wie wir alle wissen, hat er das aber nicht. Mit einer anderen Auffassung von der Gewichtung dieser beiden Rechte würde das Selbstbestimmungsrecht zum Lobbyersatz bzw. –Gegengewicht. Ja, und im Zweifel bedeutet dieses Recht halt Sezession.

Interessanter Artikel zum Thema andernorts (EU-Infothek):
Ein demokratisches Europa sollte auch Sezessionen erlauben

Video der Europäischen Freien Allianz, EFA (Europapartei) zum Thema Selbstbestimmungsrecht.

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Wie bitte!? – Wer, macht was, für wen?

Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das Große und Ganze ins Wanken bringen, oder die Ausdruck dafür sein können, daß das Große und Ganze längst am Boden liegt. Während wir aufgescheucht werden, uns über die Griechen oder die italienischen Wahlen zu mokieren, wird unser eigenes Gemeinwesen peu à peu in Wirkung und Funktion auf den Kopf gestellt und niemand stört sich daran….

Fast ging es unter, einige werden es nicht mitbekommen haben, aber uns wurde vergangener  Woche ein Erfolg verkündet. Ein Sieg der Interessen der Bürger! Alle Beteiligten im Vermittlungsausschuß waren und sind sich einig.  Ein Gewinn für alle Bürger unsere Landes. So konnte man es den Meldungen entnehmen.

Worum ging es? Es beginnt bei der letzten Fußball EM 2012. Während des Halbfinalspiels Deutschland-Italien entschied das nur minimal besetzte bundesdeutsche Parlament, daß Meldeämter die Adressen der Einwohner an Adresshändler verkaufen dürfen, es sei denn, der Einwohner widerspricht dem. Im Bundesrat stieß dieses Gesetz auf Ablehnung. Also wurde ein Vermittlungsausschuß einberufen und dieser hat nun seine Arbeit beendet und uns oben genannte Lobhudelei verkündet. Nun ist es so, daß die Meldeämter persönliche Daten der gemeldeten Einwohner nur dann herausgeben dürfen, wenn diese vorher der Weitergabe ausdrücklich zugestimmt haben. Klingt doch toll, ist doch alles im Lot, oder? Interessant dabei auch: Gemeldet und berichtet wurde „herausgeben“ gemeint war aber „verkaufen“.

Wie bitte?!

MEINE Verwaltung ist jetzt offizielle Anlaufstelle für Adresshändler?!

Der einzig verkündbare Erfolg, der einzige zu erklärende Sieg, der einzig mögliche Gewinn wäre der gewesen, klar zu machen, daß unsere Einwohnermeldeämter niemals eine Anlaufstelle für Adresshändler sein werden, daß es den Meldeämtern strikt verboten ist die Daten IHRER Bürger an Unternehmen herauszugeben.

Mal schauen wie sich das entwickelt. Vielleicht gibt es ja ein Bonussystem? „Sie möchten Einen Ausweis? – Der kostet 28,80 €, wenn Sie der Weitergabe Ihrer Daten zustimmen, kostet er aber nur 17,90 €, wenn Sie uns noch 4 Verwandte oder Nachbarn nennen, die Ihre Daten auch freigeben würden und diese es auch tun, erhalten Sie den Ausweis kostenlos.“ So etwa?

Oder: „Sie haben falsch geparkt, das macht 15 €; stimmen Sie der Weitergabe Ihrer Daten zu, kostet´s die Hälfte“

Auch folgende Frage ist in dem Zusammenhang interessant:

Wenn der Vermittlungsausschuß nun den rechtlichen Rahmen abgesteckt hat, ist im konkreten Falle eine Verwaltung dennoch so frei zu sagen: „Nein, kommt nicht in Frage, wir wollen keine Anlaufstelle für Adresshändler sein!!“? Oder hat nun ein Adresshändler einen Rechtsanspruch, Verwaltungen dazu zu zwingen die Frage nach der Einwilligung zu stellen und wenn es doch ein paar „Trottel“ gibt, die einwilligen,  kann die Verwaltung nun gezwungen werden die Daten zu verkaufen?

Die Idee den Kommunen auf diese Weise Geld zukommen zu lassen  mag rationalem Denken entspringen, aber:

Rationalität ist nicht gleich Vernunft

Vernunft ist eine gedachte, akzeptierte und vor allem verstandene Schranke, die der reinen Rationalität die Grenzen aufzeigt.

Rationalität ohne Vernunft ist mitunter unanständig, ist das Gesetz des Dschungels .

Auch in ehrendem Gedenken an den verganger Woche verstorbenen Stéphane Hessel  erkläre ich also:

Ich empöre mich!

P.S. Der aktuelle Volksentscheid in der Schweiz zur Begrenzung der Managerboni verdeutlicht, was uns mittlerweile fehlt oder gar mittels mannigfaltiger Argumentation als selbstverständlich fehlend begründet wird. Die Macht des Volkes, eine wahre Interessenvertretung der Wähler. Was wir haben sind Erklärbären, die uns sagen, warum wir das ganz anders sehen müssen, Vertreter die oft in die falsche Richtung vertreten.

Der Souverän eines Gemeinwesens gewährt allen Akteuren die Möglichkeit innerhalb seines Gemeionswesens zu agieren, dieser und niemand anderes. Wenn  es ein Akteur mal übertreibt, weist der Souverän ihn in die Schranken. Bei uns Wunschdenken, klingt ja auch weltfremd, oder?

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Warum ich mit dem Nationenbegriff hadere – Oder: Über die Fragilität einer unumstößlich geglaubten Tatsache

Persönlich kann ich mit dem Begriff „Nation“ recht wenig anfangen. Meine Nationalität stiftet mir wenig Identität und eignet sich für mich auch sonst nicht, daraus irgendwelche Vorrechte oder besondere Pflichten abzuleiten.

Warum das so ist? Ein Versuch der Erklärung:

Die Geschichte der Nationalbewegungen ist bisher eine recht kurze Geschichte. Nach dem Ende der napoleonischen Kriege beginnt diese Strömung in den deutschen Ländern an Gewicht zu gewinnen und gipfelt zunächst in der 1848er Revolution. Als fortschrittlich und liberal galt, wer national gesinnt war. Spielte bis Napoleon das Deutsche nur eine untergeordnete Rolle – man sprach Deutsch, war aber Bayer, Preuße, Sachse, Österreicher – wurde  das Nationalbewußtsein nun Bestandteil einer demokratisch-republikanisch gesinnten Bewegung gegen die traditionelle, monarchistische Vielstaaterei im vorwiegend deutschsprachigen Mitteleuropa.

Man definierte sich über das Deutschsein – was im Gegensatz zu heutigem, gewandelten  nationalem Denken aber auch mit dem Willen zu Reformen und Demokratie verbunden war. Es sollte für das ganze ehemalige Heilige Römische Reich das verbindende Element werden. Was die einen verbindet, entzweit die anderen. War es in Preußen bisher selbstverständlich verschiedene Sprachen zu sprechen, wurde es von nun an immer wichtiger auch deutsch zu sprechen – nur um nicht ausgegrenzt zu werden.

Dabei ist das identitätsstiftende Moment des deutschen Nationenbegriffs viel willkürlicher, künstlicher, ja ich möchte sagen, gekünstelter als die Übereinkünfte einer Wertegemeinschaft frei von ethnischen Schranken.

Im Gegensatz zum Nationenbegriff, wie er in der Geschichte bis heute zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder Kanada verwendet wird, bezieht er sich in deutschen Landen auf ethnische Aspekte (und entspricht damit der in Deutschland gültigen Definition einer Nation). Andernorts steht „Nation“ für einen Zivilgesellschaft, die sich unter bestimmten Wertvorstellungen vereint und allen Beteiligten, gleich welcher ethnischen Herkunft, diese Werte als Richtschnur gelten und sie verteidigen lassen. Volksgemeinschaft versus Willensgemeinschaft!

Anhand zweier Beispiele möchte ich aufzeigen wie willkürlich die Zuordnung eines Menschen zu einer Nation ist und somit auch, um wie viel schwächer ein Bekenntnis zu einer Nation ist als ein Bekenntnis zu Werten und ethischen Grundsätzen.

Gehen wir gedanklich mal in den Osten des alten Preußen – nach Pommern und Ostpreußen. Zur Zeit der aufkommenden Nationalbewegungen lebten dort auch Kaschuben und Masuren. Ein polnischer Staat existierte nicht, gleichwohl oder auch deshalb gab es aber eine starke polnische Nationalbewegung.

Die Kaschuben waren nach ethnischen Gesichtspunkten mit allem ausgestattet, was zur Gründung einer eigenen Nation von Nöten gewesen wäre. Sie waren eine selbstständige Ethnie mit eigener Sprache und eigenen kulturellen Traditionen – und sie waren katholisch. Die aufkommende kaschubische Nationalbewegung konnte sich aber nicht gegen die in der Region ebenfalls wachsende polnische und deutsche Nationalbewegung durchsetzen. Wie wir heute auf der Landkarte Mitteleuropas sehen, gibt es keine kaschubische Nation, die Kaschuben wurden mehrheitlich, nur aufgrund ihrer Religion, zu Polen und das, obwohl Polen zu der Zeit garnicht existierte. Die Masuren wiederum – ethnisch gesehen Polen – waren evangelisch. Das allein reichte aus, um sie mehrheitlich Deutsche werden zu lassen. Da stößt wohl jede Blut-und-Boden-Theorie oder sonstige völkische Schwärmerei an ihre Grenzen.

Das zweite Beispiel ist etwas persönlicher. Dazu gehen wir gedanklich in ein anderes preußisches Gebiet im Osten, Schlesien. Den Namen könnte die Region von einem Teilstamm der einwandernden germanischen Vandalen haben, den Silingern.  Dennoch war Schlesien lange Zeit slawisch geprägt. Böhmisch-mährische Herrscher und polnische Fürsten rangen um die Vorherschaft in Schlesien. Später gelang es als „Nebenland der Krone Böhmen“ unter die böhmischen Könige aus dem Hause Habsburg und wurde somit ein Teil der Habsburger Monarchie (sehr verknappt dargestellt).

Eigene Ahnenforschung hat  dazu geführt, daß ich in meiner „schlesischen Linie“ über einen recht gut belegten Stammbaum bis zum Jahre 1675 verfüge. 1675 war Schlesien bereits Teil der Habsburger Monarchie. Daß ein Schlesier von sich immer behaupten würde er sei Schlesier, sonst nichts, lasse ich für nachfolgende Betrachtung mal außer Acht.

Vor dem Hintergrund des heutigen Nationenverständnisses, was waren meine schlesischen Vorfahren 1675? Böhmen? Österreicher? Habsburger???

1740 kam dann der Alte Fritz und machte Schlesien zu einer preußischen Provinz. Meine Vorfahren blieben Schlesier,  aus „Österreichern“ wurden aber nun  Preußen! Preußen definierte sich nicht über den heutigen Nationenbegriff, daher kann man das vermutlich so stehen lassen.

Da aber die meisten Zeitgenossen – ich nicht – heute Preußen mit „deutsch“ gleichsetzen und so tun als ob es Nationen nach heutigem Verständnis schon immer gab, kann ich festhalten, daß demnach aus Österreichern, Deutsche geworden sein müssen ( der Zeitgeist übersieht hier regelmäßig, daß für die meisten Europäer damals Österreich ganz selbstverständlich eines der vielen deutschen Länder war)

Ebenso interessant wird es 230 Jahre später, zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Wie damals üblich, hatten auch meine schlesischen Vorfahren viele Kinder, im Durchschnitt 8. Daß man sich als Schlesier des frühen 20. Jahrhundert grundsätzlich weder als rein deutsch oder rein polnisch verstand (Polen existierte da seit 1795 nicht mehr), könnten die vergebenen Vornamen der Geschwister und Cousin(s)(en) belegen. Mein Großvater, 1907 geboren, hieß Franz, ein Bruder Paul ein anderer Idzi – deutsche und polnische Vornamen also. Auch unter den Verwandten gab es Vornamen verschiedener sprachlicher Herkunft, Elisabeth und Elzbieta, Paul und Pawel, Franz und Franciszek. Spannend wurde dann die Entwicklung nach dem 1. Weltkrieg. Meine Urgroßeltern, Urban und Agnes, waren Unternehmer – Brunnenbau, Spedition und Landwirtschaft. Nach den Volksabstimmungen 1921 würden sie in dem Teil Schlesiens wohnen, der bei Preußen/Deutschland verblieb. Meine Urgroßeltern verspürten wenig Lust als Unternehmer in einem Land tätig zu sein, welches horrende Reparationsleistungen zu bewerkstelligen hatte. Also entschied man sich einer Tochter zu folgen, die in einen knapp 20 km entfernten Ort heiratete.(**siehe Nachtrag am Ende) Ein Ort der nun polnisch werden sollte. Haben meine Urgroßeltern ihr Land verraten? Welches Land? Sie waren und blieben Schlesier. Nach heutigem Verständnis wären mit diesem Umzug aber aus Deutschen Polen geworden. Wie irrsinnig die Zuordnung zu Nationen ist  zeigt dann die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg. Je nach persönlicher Präferenz “entschieden“ sich die Familien der Geschwister und Vettern im Laufe der Jahrzehnte  für die eine oder andere Nationalität; mit allen Konsequenzen. In und nach dem 2. Weltkrieg führte das zu Rissen quer durch die Familien, einige heilten nicht bis zum Ableben der Betroffenen. Ob die Vornamen meiner Vorfahren in den mir vorliegenden Unterlagen rückwirkend germanisiert oder polonisiert wurden, so daß die nun polnischen Ahnen auch polnische Namen trugen und deutsche Ahnen deutsche, weiß ich nicht. Wenn nicht, so erweckt es den Anschein, daß sich  jene mit deutschen Vornamen für Deutschland, jene mit polnischen, für Polen entschieden. So oder so, ein armseliges Argument für das Nationalbewußtsein einer Person!

Ebenso aufschlußreich ist es, einen früheren Zweig der gleichen Linie zu betrachten. Meine Ahnenforschung hat mir neue Verwandtschaft eingebracht – entfernt, aber verwandt. Ich stehe mit einem älteren Herren aus Vermont (USA) in Kontakt, wir reden einander, wie in dieser Konstellation im Englischen wohl üblich, mit „dear Cousin“ an.  Von mir aus gesehen 7 Generationen zurück, von ihm aus gesehen 6 Generationen zurück, haben wir in direkter Linie gemeinsame Vorfahren. Ein Ehepaar, Er 1755 und Sie 1762 geboren – also in der preußischen Provinz Schlesien – hatte mehrere Kinder. Von einem stammt mein neuer Verwandter ab, von einem anderen stamme ich ab. Daß er sich heute als US-Amerikaner betrachtet, sollte nicht weiter verwundern, entspricht das amerikanische Verständnis von „Nation“ doch dem, was man eine Willensnation nennt. Ich bin Brandenburger und gelte damit wohl als Deutscher. Mein Verwandter überm Teich ist aber organisiert bei den „Polish Origns“, Amerikanern mit Polnischen Wurzeln. Seine Vorfahren wanderten 1835 nach Minnesota aus, zu einer Zeit also, als in ganz Europa die Nationalbewegungen erstarkten. Das was man „fühlte“, „war“ man – Schlesier, Deutscher, Pole oder Preuße – je nach Ausrichtung und politischer Präferenz. Die Nachfahren unserer gemeinsamen Vorfahren fühlten sich auf seiner Linie offensichtlich polnisch, auf meiner fühlte man sich deutsch. Eine Wurzel, zwei verschiedenartige Blüten? Sehr willkürlich das Ganze, oder?

Ich meine, daß sowohl das neutrale Beispiel der Kaschuben und Masuren und das persönliche (somit vielleicht etwas subjektive) Beispiel meiner Vorfahren zeigt, daß die Zugehörigkeit zu einer vermeintlichen  Volksgemeinschaft und somit „Nation“, tatsächlich auch nur ein Bekenntnis ist, genauso wie die Zugehörigkeit zu einer Willensnation; nur, daß nach meinem Dafürhalten eine Volksgemeinschaft ohne Werte ohne gemeinsame Ideale auskommen kann, eine Willensnation aber nicht. Diese fußt auf Werten und Idealen. Es ist egal woher man kommt, wofür man eintritt ist entscheidend. An einem bestimmten Ort geboren worden zu sein, ist an sich keine Leistung, aus der man irgendwelche Vorrechte ableiten sollte; die kulturellen Besonderheiten seines Geburts- oder Lebensortes anzunehmen, den Wertekanon der dort Ansässigen anzunehmen, zu teilen und zu verteidigen aber durchaus. Im Heute scheint das allerdings gar nicht so leicht, weil ein solcher Wertekanon, wie mir scheint, selbst den Autochthonen nichts bedeutet.

In meinen Augen ist nationales Denken, nachdem es womöglich einen fortschrittlichen Ursprung hatte, recht bald zu einem äußere Einflüsse  abwehrenden Denken geworden, diese Abwehr führte und führt, so fürchte ich – über kurz oder lang immer zu Nationalismus und in Konsequenz womöglich zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Ungleich reizvoller wirkt da auf mich ein wertebasiertes Denken – eine wertebasierte Gesellschaft erscheint mir wesentlich offener und zunächst empfänglicher für äußere Einflüsse.  Was nützt es mir in einer Gemeinschaft zu leben, in der zwar das „gleiche Blut“ fließt, aber dies auch schon das Ende aller Gemeinsamkeiten sein kann. Eine Willensnation/-gemeinschaft, ein Wertebund ist ungleich belastbarer und erscheint mir um Längen verteidigungswürdiger. Bei dem einen verteidigt man Blut und Boden, bei dem anderen den Geist und den Boden auf dem er sich entfaltet – nach innen und nach außen.

Nationales Denken hatte seine Zeit und seine Aufgabe. Die hat es erfüllt, blieb dann aber stehen und führte zu Nationalismen und Krieg. Es wird Zeit sich wieder von nationalem Denken zu verabschieden, nicht zurück zur Vielstaaterei, auch nicht hin zu einem europäischen Superstaat ohne landsmannschaftliche Identität, sondern vorwärts zu einem neuen, offenen, regionalen, Bewußtsein, verbunden mit einem verteidigungswürdigen Wertekanon in einem Europa der Regionen. Hin zur Definition über Geist und Wert, weg von der Definition übers Blut – die wie dargestellt, an allen Ecken und Enden in Frage gestellt werden kann.

Brandenburg und später Preußen sind insofern ein schönes Beispiel für das hier Behauptete, als daß sie in ihrer Blüte auch ganz gut ohne einen Nationenbegriff auskam. Brandenburg und Preußen waren multikulturell bevor es das Wort überhaupt gab, jeder sollte nach seiner Façon selig werden, aber alles unter einer starken Staatsfaçon. Wobei „Staat“ hier nicht für eine Nation, sondern für eine Staatsidee steht. Und so ende ich mit dem vielleicht berühmtesten Zitat Christopher Clarks.

„Preußen war ein europäischer Staat, lange bevor es ein deutscher wurde. Deutschland war nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben.“

** Nachtrag vom 2. März 2015: Eher zufällig bin ich heute (2. März 2015) auf einen Zeitzeugenbericht aus dem Dorf meines Urgroßvaters gestoßen. Demnach sind wohl einige Einordnungen zu korrigieren. Laut Zeitzeugenbericht gehörte mein Urgroßvater zu den zwei sich offen zu Polen bekennenden Dorfbewohnern. („Der Zementwarenfabrikant Urban Mainka“) ein Umzug aufgrund der im Bericht beschriebenen Repressalien scheint daher wahrscheinlicher als allein aus wirtschaftlichen Überlegungen.

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Schwieriges Thema: Flucht und Vertreibung

  1. April 2012

Schwieriges Thema: Flucht und Vertreibung

Auf einer Tagung in Berlin ging es im Februar um die Antwort auf die Frage, ob die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg Unrecht war. Nachfolgend eine Betrachtung zum Thema.

 

Zu Beginn jedoch noch eine kleine Anmerkung. Bei der Behandlung dieses Themas läuft man all zu schnell Gefahr vorschnell in eine bestimmte politische Ecke gestellt zu werden. Ich hoffe, daß nachfolgender Text dazu keinen Anlaß gibt. Es soll der Versuch angestellt werden das Thema um einen Aspekt zu erweitern, den ich in den meisten Diskussionen diesbezüglich vermisse beziehungsweise nicht ausreichend gewürdigt sehe.

Darf man der Berichterstattung zur Tagung Glauben schenken, so lautete das Resümee, daß die Betroffenen der Vertreibung letztendlich – womöglich auch nur im übertragenen Sinne – aufgrund deutscher Kriegsschuld, -taten und -gräuel, selbst Schuld an der Vertreibung mit ihren Begleiterscheinungen tragen.

Das auf besagter Veranstaltung gezogene Resümee ist ja nun keine neue Erkenntnis, sondern im gewissen Sinne schon lange Bestandteil der Staatsraison Deutschlands – leider.

Die Diskussion darüber scheint mir aber sehr schräg und unter untauglichen Grundannahmen zu laufen. Sowohl auf Seiten der Befürworter als auch auf Seiten der Gegner eines solchen Resümees.

Nach meinem Dafürhalten, diskutieren alle Seiten unter Verwendung falscher Voraussetzungen. Daß dies die Befürworter des „Selber-schuld“-Urteils tun, ist verständlich, benötigen sie diese Annahmen doch, um zumindest oberflächlich eine einigermaßen logisch erscheinende Argumentationskette aufbauen zu können. Daß die Gegner dieses Urteils – und  hiermit meine ich ausdrücklich nur jene, die dem demokratischen Spektrum zuzurechnen sind –  sich in eine solche Diskussion drängen lassen, löst bei mir ein wenig Verwunderung aus.

Jemand tut einem Anderen etwas an – diesem steht dafür eine Entschädigung zu. Das stimmt, das ist ein Gebot der Vernunft und das ist logisch – hat aber mit der Sache, um die es hier geht, rein garnichts zu tun.

Der Fehler beginnt schon bei jenen, die das Resümee für falsch halten. Wo genau? Hier!: Man betrachtet die Geschehnisse im Grunde sehr egozentrisch! Wenn man es schafft für die Bewertung der Sachlage – so schwierig es sein möge – das eigene Schicksal außer Acht zu lassen und nur die betreffende politische Großwetterlage zu betrachten, erhält man eine Basis, auf welche sich die in einigen Augen vernünftige, gerechte Schlußfolgerung quasi von allein aufbaut.

Zunächst sollten man, so meine ich, zwei Dinge trennen: den Verlust von Hoheitsrechten – also die Abtretung von Staatsgebiet und die Vertreibung.

Sich verändernde Grenzverläufe hat es über die Jahrhunderte immer gegeben (Lothringen, Saarland, Schleswig, Schlesien nach dem 1. Weltkrieg). Was es in diesem Maße aber noch nicht gab ist die forcierte Flucht bzw. staatlich organisierte Vertreibung.

Ich meine, daß der Verlust der Ostgebiete belegbar nichts mit der zweifelsohne vorhandenen deutschen Kriegsschuld und den durch Deutsche und Deutschland dem polnischen Volk zugefügtem Leid zu tun hat. Aber der Reihe nach!

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges verbündeten sich bekanntermaßen Hitlers Deutschland und Stalins Sowjetunion. Im geheimen Zusatzprotokoll dieses Vertrages (Hitler-Stalin-Pakt / Ribbentropp-Molotow-Abkommen) wurde Europa unter beiden aufgeteilt.

Die Sowjetunion war also Verbündeter Deutschlands. Es gab Offizieraustauschprogramme, sowjetische Waffenschmieden fertigten Kriegsmaterial in deutscher Lizenz, Getreidelieferungen u.v.m.

Am 1. September 1939 greift nun Deutschland Polen an und marschiert ein. Am 17. September greift die Sowjetunion, gemäß Absprache, als deutscher Verbündeter ebenfalls Polen an. Es gibt Filmaufnahmen die zeigen Wehrmacht und Rote Armee bei „feierlichen Stadtschlüsselübergaben“ in den Fällen, in welchen eine Armee „versehentlich“ zu weit in das Interessengebiet des Bündnispartners vorgedrungen ist. An DDR-Schulen wurde dieser sowjetische Einmarsch übrigens als Befreiung Polens gefeiert.

Zusammengefaßt kann und muß man also sagen, Deutschland und die Sowjetunion sind die Täter und greifen gemeinsam Polen an – eindeutig das Opfer.

Schaut man sich nun an, was mit Polen nach dem Krieg geschah, müssen wir uns eigentlich die Augen reiben, weil es mit Vernunft, Gerechtigkeitsempfinden und Logik einfach nicht zu begründen ist.

Das eindeutige Opfer Polen soll Gebiete an die Sowjetunion abtreten. Gebiete die ziemlich genau der sowjetischen Interessenlage wie sie im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalinpaktes beschrieben wurden entsprechen. Das Ziel ethnischer Homogenität für die Legitimierung von Völkerrechtsverstößen, um eine Korrektur der Grenze aus dem Frieden von Riga 1921 zu erreichen, darf in meinen Augen kein Argument sein, um diese Gebietsabtretungen irgendwie legitimieren zu wollen. Die Grenzen Polens waren vor dem Krieg völkerrechtlich anerkannt und im konkreten Fall ist der Frage nach „Volkstums- und Sprachgrenzen“ nach meinem Dafürhalten keine Bedeutung beizumessen. Zumal die Ostgrenze Polens bei dessen Neugründung nicht ethnischen oder sprachlichen Gesichtspunkten folgte, sondern vielmehr der Gründungsidee Pilsudskis, einen förderalen,
multiethnischen Staat nach historischem Vorbild zu schaffen, entsprach.

Curzons Vorschlag und britischer Standpunkt während des 2. WK paßten lediglich sehr gut zu den sowjetischen Territorialinteressen. 1921 sahen einige Offizielle in Großbritannien in den polnischen Erfolgen in den Grenzkriegen übrigens noch die Rettung des Westens vor dem Kommunismus.

Auf der Teheran-Konferenz 1943 wurde unter anderem die neue Grenze zwischen Polen und der Sowjetunion im Nachkriegseuropa festgelegt.
Stalin hatte also gegenüber den Alliierten USA und GB die Durchsetzung der die Sowjetunion betreffenden Inhalte eines Vertrages, welchen er mit Hitler geschlossen hatte, gefordert und war damit erfolgreich. Das an sich ist schon ungeheuerlich. Also entschied man sich Polen wenigstens mit einigen deutschen Ostgebieten zu „entschädigen“. Ergebnis ist also das, was wir heute als Westverschiebung Polens bezeichnen. Der Verlust der Ostgebiete ist demnach nicht eine Entschädigung an Polen aufgrund der deutschen Kriegstaten sondern eine Entschädigung an Polen durch die Alliierten aufgrund der erfolgreichen Durchsetzung territorialer Interessen der Sowjetunion an ihrer Westgrenze. Nicht vergessen sollte man auch, daß die Aufteilung Europas in deutsche und sowjetische Interessensphäre bzw. nach dem Krieg die Absicherung der gleich gebliebenen sowjetischen Interessen nicht nur Polen, Deutschland und die Sowjetunion betraf, sondern Auswirkungen vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer hatte. (Finnland verlor beispielsweise schon 1940 seinen einzigen Eismeerhafen an die Sowjetunion und erhielt ihn nach Kriegsende selbstverständlich auch nicht wieder). Nebenbei: Polen hatte 1938 eine Fläche von 389.720 km² – heute hat es eine Fläche von 312.685 km²; es verlor also trotz Westverschiebung eine Fläche von der Größe des heutigen Tschechiens!!!

Schlußendlich muß man die Frage nach der Bewertung der Abtretung deutscher bzw. preußischer Ostgebiete gar nicht gesondert stellen, da diese Abtretung lediglich eine Folge der Westverschiebung Polens ist. Also sollte dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes folgend, die Abtretung deutscher Gebiete genau so zu bewerten sein wie die polnische Westverschiebung. Es ging nicht darum Deutschland zu bestrafen, zu verkleinern oder um andere deutschlandbezogene Dinge, die in diesem Zusammenhang immer noch und immer wieder gerne behauptet werden. Es ging ausschließlich um die Durchsetzung sowjetischer Interessen an der Westgrenze der SU.

Wenn man es also als gerecht empfindet, daß das eindeutige Kriegsopfer Polen, einfach so und zusätzlich trotzdem noch unter Verlust von 77.000 km² Fläche, auf der Landkarte verschoben wird, weil ein Diktator vom „Westen“ das zugestanden bekommen wollte, was er mit einem anderen Diktator vereinbart hatte, dann, und nur dann, kann man auch die Abtretung der deutschen/preußischen Ostgebiete rechtens finden.

Daran ist aber vielleicht auch zu erkennen, daß die Bewertung dieser Problematik keine Frage der Zugehörigkeit zu einem bestimmten politischem Lager ist, sondern eher eine Frage von Gerechtigkeitsempfinden und Vernunft. Willy Brandt wußte das noch. Der Zeitgeist hat sich geändert und schon gerät man in Konflikt mit der geltenden Staatsraison.

Hätte Polen seine Ostgebiete behalten dürfen und hätte es trotzdem noch die deutschen Gebiete dazu bekommen, könnte man vielleicht von einem Entschädigungsversuch sprechen, so ist es aber nur eine Art Schweigegeld.
Die Kommunistische Führung Polens setzte dem offiziell auch nichts entgegen und beschwichtigte sich und die Bevölkerung mit der erst zur Zeit der polnischen Teilungen (nach 1795) aufgekommenen Idee des piastischen Polens, wonach die neuen Westgebiete gar nicht so neu waren, sondern lediglich wiedergewonnen wurden.

Was hätte die hier beschriebene Sichtweise bezüglich der Westverschiebung Polens für Auswirkungen auf die Bewertung von Flucht und Vertreibung? Nun, wenn man akzeptiert, und das muß man wohl, daß die Westverschiebung Polens nichts mit der deutschen Kriegsschuld, sondern mit sowjetischen Territorialinteressen unter Billigung der USA und
Großbritanniens zu tun hat, so muß man auch zum Schluß kommen, daß die Folge dieser Verschiebung, die Vertreibung, ebenso wenig mit der vorhandenen Kriegsschuld zu tun hat und die Aussage „Selber schuld“ nicht greifen kann. Nebenbei: Vergessen werden sollte an dieser Stelle auch nicht, daß bevor 14 Mio Deutsche vertrieben wurden bereits 1939 3,5 Mio polnische Staatsbürger ihre Heimat verlassen mussten, oftmals verbunden mit einem mindestens sechsjährigen Umweg über sibirische Arbeitslager und Kohlebergwerke.

Grenzverschiebungen hat es in der Geschichte oft gegeben, neu ist eine Vertreibung vorliegenden Ausmaßes. In Polen wusste man, daß die eigenen Ostgebiete auf immer verloren sind, die hinzugewonnenen Westgebiete aber zunächst nur für 50 Jahre, also bis 1995 unter polnischer Verwaltung stehen sollten – was ja theoretisch auch für das an die SU gegangene Königsberger Gebiet galt. Wie es letztendlich mit Deutschland weitergeht war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen und vollkommen unklar – also entschloss sich die kommunistische Führung schnell Fakten zu schaffen – Ergebnis: Vertreibung.
Allerdings war die Umsiedlung keine ausschließliche Idee der polnischen Kommunisten, sondern ebenfalls von SU, USA und GB so beschlossen, „human“ sollte sie von statten gehen – die Realität sah bekanntermaßen anders aus.

Letztendlich ist es schade, daß auf beiden Seiten Ressentiments zwischen Opfern gepflegt werden. Polnische und deutsche Vertriebene eint vielmehr als sie trennt. Beide haben sich in Teilen zu Handlangern eines verbrecherischen Systems machen lassen und beide haben letztendlich, die einen davor, die anderen danach, ihre Heimat verloren, wurden vertrieben und neu angesiedelt.

Wie auch immer man zu letzem Absatz steht, Schlussfolgerung sollte sein, daß polnische und deutsche Vertriebene und deren Nachfahren auch Opfer des gleichen Vorgangs sind. Eine Rückgabe von Eigentum sollte, um des lieben Friedens Willen und auch um neues Unrecht zu vermeiden, nicht gefordert werden. Wohl aber die Möglichkeit die Vorgänge ganz selbstverständlich als das zu bezeichnen, was sie in meinen Augen sind: Ungerecht und verbrecherisch und womöglich ein Geburtsfehler der europäischen Nachkriegsordnung. Über finanzielle Entschädigung könnte man vielleicht nachdenken; nicht aber von Polen an Deutsche, sondern von den drei betreffenden Alliierten bzw. in einem Falle dessen Rechtsnachfolger an die Opfer beider Völker, Polen und Deutsche.

Schön wäre auch, wenn Polen und Deutsche akzeptieren könnten, daß es nun, fast 70 Jahre nach Kriegsende zwei Nationalitäten gibt, die ein und dasselbe Gebiet zu Recht als Heimat bezeichnen wollen und es auch dürfen sollen. Vielleicht wäre das ein Keim aus dem was wunderbares Neues erwächst.

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Das kriegerische Preußen im 18. Jahrhundert?

Für die umfangreiche Unterstützung bei der Recherche, die Hilfe bei der Ergebnisfindung und die ausgiebiegen, teilweise harten Diskusionen möchte ich an dieser Stelle Tristan Bauer danken.

Am 7. Januar 2012 lief auf arte ein „Doku-Drama“ zum Thema Friedrich II. Na klar, es ist Friedrichjahr! In den Hauptrollen Anna Thalbach als junger Friedrich und Katharina Thalbach als älterer. Sehr gut gelungen das Ganze und die Besetzung der Hauptrollen mit Damen mitnichten eine Fehlentscheidung. Ich fand´s grandios gespielt.

Gefreut habe ich mich auch, daß Christopher Clark regelmäßig zu Worte kam. Was ich nicht so schön fand, war der fast schon reflexartige Einschub zu Beginn, daß F. II fast mit ganz Europa Krieg geführt hätte. Dieser Einschub geschah in einer Art und Weise, die implizieren soll, daß dies etwas anderes sei als bei anderen Häusern Europas. Seltsamerweise findet man diesen Hinweis fast überall in der Berichterstattung der Medien. Also habe wir uns mal die Mühe gemacht und uns alle Kriege im 18. Jh., die irgendwie mit Europa zu tun haben, etwas näher angeschaut, um mal eine statistisch belastbare Faktenbasis zu bekommen.

Warum die Kriege des 18. Jahrhunderts und nicht nur die Kriege zu Zeiten Friedrichs II.?

Weil mit dem Regierungsantritt Friedrichs die Geschichte nicht bei Null anfing, sondern, salopp formuliert, bereits im vollen Gange war. Nichts desto weniger wird im Fazit auch eine konkrete Aussage zur Regentschaft Friedrichs II. getroffen werden können.

 

Die These ist die, daß das friderizianische Preußen der ihm in der öffentlichen Wahrnehmung unterstellten exklusiven Stellung bezüglich der geführten Kriege nicht gerecht wird und nicht sonderlich kriegerischer war als andere Mächte dieser Zeit.

 

Erläuterung zur Zählweise: Es ist ja nun hinlänglich bekannt (hoffentlich) und erwiesen, daß Brandenburg/Brandenburg-Preußen/Preußen in der Zeit von 1400 bis 1940 in vergleichsweise wenige Kriege involviert war – je nach Historiker an 5. bis 9. Stelle. Noch hinter allen anderen Mitgliedern der Pentarchie (also Rußland, England, Östereich und Frankreich) sowie in den anderen Zählweisen auch noch Polen, Schweden und das Osmanische Reich/die Türkei. An dieser Feststellung, die einen Preußenfreund eigentlich zufriedenstellen sollte, stören uns zwei Dinge.
1. Der Zeitraum

Vor dem Großen Kurfürsten (Regentschaft 1640-1688) war Brandenburg/Preußen ein, im Vergleich zu den Dimensionen um die es hier geht, eher unbedeutendes Kurfürstentum.

Dies gereicht bei einer Zählung den bedeutenderen Mächten zum Nachteil

 

Mit der Reichseinigung 1871 ist in den Augen vieler Preußenfreunde die Existenz eines eigenständigen Preußens beendet. Es geht – für uns zu seinem Nachteil – in Deutschland auf. Spätestens jedoch mit dem Preußenschlag und dem Dreimänerkollegium und der folgenden Gleichschaltung der Länder (1932/33) ist Preußen endgültig Geschichte. Die offizielle Auflösung durch den allierten Kontrollrat nur noch juristische Makulatur. Da der Aufstieg Brandenburg-Preußens zu einer europäischen Großmacht im 18. Jahrhundert vonstatten ging und im Verlauf dieses Jahrhunderts auch dem Namen nach Preußen erwuchs, wird auch nur das  18. Jahrhundert betrachtet

2. Die Zählweise: Aussagen die zu diesem Thema zu finden sind beschreiben nur das Involviertsein. Ausschlaggebend für eine Wertung ist in meinen Augen aber auch die Frage nach dem Aggressor und dem, der lediglich gezwungen wird seine Interessen zu verteidigen.

Eine weitere Besonderheit ist die Behandlung von Seperatfriedensschlüssen und Wiedereintritten. Da die Kriege ihre Zuordnung Historikern verdanken, die diese naturgemäß nachträglich anstellen, habe wir uns dazu entschlossen Wiedereintritte in Kriege auch als neuen Krieg zu zählen. Begründung: Aus sicht der Zeitgenossen war ein Seperatfrieden oder ein einseitiges Beenden von Kriegsbeteiligungen ein finaler Schritt. Wiedereintritte sind das Ergebnis einer veränerten Lage und nach meiner Auffaussung somit auch ein neuer Krieg.

Dies gereicht in der Statistik Preußen – um das es uns ja speziell geht – sowohl zum Vor- als auch zum Nachteil.

Insofern, als daß ein einfaches Zählen möglich ist, gibt es zu den Kriegen keine weiteren Erläuterungen.

Wichtige Anmerkung:

Dies ist keine wissenschaftliche Arbeit. Es werden lediglich frei verfügbare Daten gesammelt und verbunden. Als Menschen die sich eine Meinung bilden dürfen, werden wir uns im Anschluß also erlauben das Zusammengetragene zu bewerten bzw. auszuwerten. So gut es geht gemäß der Daten. aber wird es eben doch nicht wissenschaftlich zu nennen sein.

 

Aber nun zu den Daten:

 

1700-1721 Großer Nordischer Krieg

Angreifer:

Rußland – RUS (1700-1721)

Sachsen-Polen Sa/(PL) (1700-1706 und 1708-1721)

Dänemark-Norwegen DK/(N) (1700-1700 und 1708-1721)

Hannover/(England) Ha/(GB) (1715-1721)

Preußen (Pr.) (1715-1721)

 

Verteidiger:

Schweden (1700-1721)

Hetmanat (1708-1709)

Osmanen (1710-1711)

 

Ergebnis: Das Ende Schwedens als Großmacht

Zwischenstand:
RUS: 1 Sa/(PL)*: 2 DK/(N)*: 2 Ha/(GB)*: 1** Pr:       1

* Personalunion

**Anmerkung: In den Krieg eingetreten ist das Kurfürstentum Hannover allerdings war Kurfürst Georg I auch König von Großbritannien und Irland. Da Großbritannien um den Seehandel auf der Ostsee besorgt war, entsandte man die Britische Kriegsflotte, die, vereinigt mit der Niederländischen Flotte Handelsschiffe aus diesen beiden Ländern beschützte und somit Einfluß auf die operativen Möglichkeiten Schwedens nahm.

 

1701-1714 Spanischer Erbfolgekrieg

 

Die Frage nach Angreifer und Verteidiger ist hier nicht eindeutig zu klären, bzw. stellt diese sich hier womöglich nicht.

Sowohl Frankreich als auch Österreich und Bayern machten familiär begründete und nachvollziehbare Erbansprüche geltend. König Karl/Carlos II, verstarb 1700 kinderlos und entsprang der spanischen Linie der Habsburger.

Frankreichs Ludwig XIV sah seinen Enkel Philipp von Anjou als Philipp V. für den spanischen Thron vor.

Der Österreichische Kaiser des Heiligen-Römischen Reiches, Leopold I, sah in seinem zweitgeborenen Sohn Erzherzog Karl den rechtmäßigen Erben des Thrones. Sein Erstgeborener sollte als Joseph I die deutsche Kaiserwürde erben.( Gewählt wurde Joseph I übrigens durch die deutschen Kurfürsten bereits 1690, also zu Lebzeiten seines Vaters; Titel bis zur Kaiserwürde: Römischer König)

Der aussichtsreichste Kandidat war jedoch der Sohn des Bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern, Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern. Unterstützt von Englands Wilhelm III. von Oranien) und durch einen Teilungsvertrag der Frankreich und Österreich territorial umfangreich entschädigen sollte. Joseph Ferdiand starb jedoch unter ungeklärten Umständen 1699 im Alter von nur 6 Jahren. Der frühe Tod verhinderte somit eine mögliche Wittelsbachersche Großmacht und führte auch dazu, daß sich Maximilian II., der an einen Mord durch den Wiener Hof glaubte (bis heute weder bewiesen noch widerlegt), im folgenden Krieg auf die Seite Frankreichs schlug.

Beginn des Krieges: Leopold I. akzeptierte den zweiten Teilungsvertrag nicht (er war kein Vertragspartner) Ludwig XIV war Vertragspartner, brach diesen aber durch die Inthronisation Phillips V.

Beteiligte*,**:

Frankreich

Österreich

Bayern

Großbritannien

 

Für  diese militärische Auseinandersetzung:

GB: 1 F: 1
AUT: 1 BAY: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 1 Sa/(PL): 2 DK/(N): 2 GB: 2 Pr: 1 F: 1
AUT: 1 BAY: 1

 

*nicht gezählt aber erwähnt: Kurfürstentum Köln, Kurfürstentum Braunschweig, Herzogtum  Savoyen, Herzogtum Mantua

** Preußen trat direkt nicht in den Krieg ein, Leopold I verlangte aber als „Preis“ für die Billigung der Krönung des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. zum König in Preußen Friedrich I., 8000 preußische Soldaten (inkl. Führung/Offiziere) für diesen Krieg. Diese Standen allerdings nicht unter preußischem Befehl. Preußen verfolgte keine eigenen Interessen und war nur indirekt beteiligt. Deshalb wird es hier also nicht als kriegführende Partei gewertet.

Ergebnis: Frankreich begründet die bis heute bestehende Linie der Bourbonen auf dem spanischen Thron. Der Hinweis auf viele andere spannende Ergebnisse und Weichenstellungen sei hier als Recherchetipp angebracht.

 

1714-1718 Venezianisch-Österreichischer Türkenkrieg

 

Angreifer:

Osmanische Reich (OR)

Verteidiger:

Republik Venedig

Österreich (als Bündnispartner ab 1716, Kriegserklärung erfolgte durch das Osmanische Reich)

Zählung streitbar. Österreich trat zunächst widerwillig an die Seite der Republik Venedig. Allerdings wandelte sich im Laufe des Krieges der Charakter Österreichs von der Rolle des Verteidigers zur Rolle eines Territorien begehrenden „Kriegsmotors“ Enorme territoriale Gewinne aus diesem Krieg machten Österreich zumindest geographisch endgültig zur europäischen Großmacht. In einem preußenaffinen Blog gibt es hierfür, vielleicht ein wenig tendenziös aber durchaus vertretbar, einen Zähler.

 

Für  diese militärische Auseinandersetzung:

AUT: 1 (0) OR 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 1 Sa/(PL)*: 2 DK/(N)*: 2 GB: 2 Pr: 1 F: 1
AUT: 2 (1) BAY: 1 OR 1

 

1718–1720 Krieg der Quadrupelallianz

 

Auch dieser Krieg ist im Prinzip eine Art Erbfolge Krieg. Nach dem Tode Ludwig XIV (Frankreich) war der Thronfolger Ludwig XV erst 5 Jahre alt. Es regierte der Vormund  Ludwigs XV., der Herzog von Orleans. Sollte dem Thronfolger etwas zustoßen, hätte das spanische Königshaus berechtigte Ansprüche auf den Thron (wir erinnern uns: der Enkel Ludwigs XIV saß in Spanien auf dem Thron – Philip V.; Ludwig XV. war ein Urenkel Ludwig XIV. und ein Neffe Philipps V.)

Deshalb ist es auch hier etwas schwieriger Angreifer und Verteidiger eineindeutig zu benennen. Diplomatische Bündnisse, mit der Funktion einer Drohkulisse, wurden zu militärischen Bündnissen nachdem der Bedrohte losschlug.

Angreifer:

Spanien

Verteidiger:

Frankreich

Niederlande

Österreich

Großbritannien  (kämpfte in Europa und auch in Südamerika gegen Spanien)

 

 

Für  diese militärische Auseinandersetzung:

ESP: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 1 Sa/(PL)*: 2 DK/(N)*: 2 GB: 2 Pr: 1 F: 1
AUT: 2 (1) BAY: 1 OR 1 ESP: 1

 

 

1727 (1726)–1729 Englisch-Spanischer Krieg

 

Gekennzeichnet von verschiedenen europäischen Bündnissen und provokanten Aktionen beider Seiten (bishin zu kleineren, Gefechten in der Karibik, die von Großbritannien ausgingen – aber auf hartes Vorgehen Spaniens gegen die englische Handelsflotte zurückzuführen sind).

In der Karibik gingen die kriegerischen Handlungen von Großbritannien aus in Europa von Spanien

Beteiligte:

Spanien

Großbritannien

 

Für  diese militärische Auseinandersetzung:

ESP: 1 GB:1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 1 Sa/(PL)*: 2 DK/(N)*: 2 GB: 3 Pr: 1 F: 1
AUT: 2 (1) BAY: 1 OR 1 ESP: 2

 

1733-1738 Polnischer Thronfolgekrieg

 

Wie bei Thronfolgekriegen üblich ist es auch hier schwierig eindeutig in Angreifer und Verteidiger zu unterscheiden.

Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten auf dem polnischen Thron, wählten polnische  Adelige Stanislaus Leszczynski zm König, dies war im Interesse Frankreichs (Stanislaus war der Schwiegervater Ludwig XV.) Österreich Rußland und Sachsen favorisierten den Sachsen Friedrich August. Dieser wurde unter dem Schutz Russischer Truppen nach der bereits erfolgten Wahl Leszczynski durch die sächsischen Interessenvertreter zum polnischen König gewählt.

Daraufhin erklärte Frankreich den Krieg. Da Sachsen ein deutsches Kurfürstentum war, erging die Kriegserklärung an den zuständigen Kaiser aus dem Hause Habsburg. Rußland agierte hier im eigenen Interesse aber im Sinne von Österreich und Sachsen. Spanien nutzte diesen Konflikt, um eigene Interessen in Neapel und Sizilien gegen Österreich militärisch durchzusetzen. Österreich bekommt hier keinen Zähler, egal nach welcher Lesart

 

Beteiligte:

 

Frankreich

Spanien

gegen

Rußland

Österreich

Sachsen (Sa)

 

Nicht gezählt aber erwähnt: Sardinien-Piemont auf der Seite Frankreichs und Spaniens

Für  diese militärische Auseinandersetzung:

RUS: 1 Sa: 1 F: 1
ESP: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 2 Sa/(PL)*: 3 DK/(N)*: 2 GB: 3 Pr: 1 F: 2
AUT: 2 (1) BAY: 1 OR 1 ESP: 3

 

 

1735-1737 Spanisch-Portugiesischer Krieg um Colonia

 

Angreifer:

Spanien

 

Verteidiger

Portugal

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

ESP: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 2 Sa/(PL)*: 3 DK/(N)*: 2 GB: 3 Pr: 1 F: 2
AUT: 2 (1) BAY: 1 OR 1 ESP: 4

 

 

1736–1739 Russisch-Österreichischer Türkenkrieg

Hauptsächlich ging es um geopolitische Interessen Rußlands und Österreichs. Ursächlich waren aber Einfälle der Krimtataren ins russische Kaiserreich (fraglich ob im Namen der Osmanen oder nicht) Österreich trat eher widerwillig auf russischen Druck hin als Verbündeter Rußlands in den Krieg ein.

Angreifer:

Rußland

Österreich

 

Verteidiger

Osmanisches Reich

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

RUS: 1
AUT: 1 (0) OR: 1 (0)

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL)*: 3 DK/(N)*: 2 GB: 3 Pr: 1 F: 2
AUT: 3 (1) BAY: 1 OR 2 (1) ESP: 4

 

1739-1742 Englisch-Spanischer Krieg

 

Dieser (Kolonial)Krieg fand in der Karibik und im südlichen Nordamerika statt. Den Krieg erklärte Großbritannien. Der Kriegserklärung gingen aggressive Operationen Spaniens gegen britische Handelsschiffe voraus, diese hatten wiederum zum Ziel, die spanische Vormacht im Seehandel zu brechen.

 

Angreifer:

Großbritannien

 

Verteidiger:

Spanien

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

GB: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL)*: 3 DK/(N)*: 2 GB: 4 Pr: 1 F: 2
AUT: 3 (1) BAY: 1 OR 2 (1) ESP: 4

 

 

1740–1748 Österreichischer Erbfolgekrieg

 

Mit dem Tode Kaiser Karls VI. starb die männliche Linie der Habsburger aus.

Ziel Österreichs war es die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion (Unteilbarkeit der Habsburger Erblande) fortbestehen zulassen.

Die Tochter Karls VI., Maria Theresia, bestieg somit als erste Frau den Habsburger Thron. In einer späteren Kaiserwahl sollte dann Franz I. Stephan (Ehemann Maria Theresias) gewählt werden

Daraufhin machten mehrere europäische Mächte ihren familiären Anspruch geltend:

Bayern: Karl Albrecht von Bayern

Spanien: Philipp V.

Sachsen: Friedrich August

 

Der Österreichische Erbfolgekrieg bestand aus mehreren Kriegen bzw. einer Folge von Schlachten in verschiedenen Ländern und Regionen.

Betrachtet werden neben den Auseinandersetzungen der Pragmatischen Armee mit ihren Gegnern zusätzlich die beiden Schlesischen Kriege Preußens als zwar zum Erbfolgekrieg gehörend, aber dennoch rein preußischen Interessen dienenden Auseinandersetzungen.

Salopp formuliert war Österreich das verwundete Tier und die anderen europäischen Mächte wetzten schon mal die Messer. Egal ob mit Österreich verbündet oder nicht, ging es letztendlich allen um eine Neuordnung Europas.

 

Erster Schlesischer Krieg 1740-1742

Angreifer:

Preußen

 

Verteidiger:

Österreich

 

Verbündete Preußens waren übrigens:

Bayern, Frankreich, Sachsen, Kurköln, Spanien, Schweden und Neapel

Österreichs Verbündete waren Großbritannien, Sardinien, Niederlande und Rußland

 

Die Verbündeten griffen nicht aktiv ins Geschehen in Schlesien ein, sorgten aber für Sicherheit an anderen Grenzen oder für das Binden österreichischer Truppen an anderen Schauplätzen. Preußens Teilnahme am Österreichischen Erbfolgekrieg beschränkte sich hier auf die Eroberung Schlesiens.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

Pr: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL)*: 3 DK/(N)*: 2 GB: 4 (2) Pr: 2 F: 2
AUT: 3 (1) BAY: 1 OR 2 (1) ESP: 4

 

Ergebnis: Schlesien wurde preußisch

 

Wittelsbacher Kaiserwahl und Folgen (Pragmatische Armee und ihre Gegner) 1741-1748

 

Angreifer:

Bayern

Frankreich

Preußen

Sachsen

 

Verteidiger (Pragmatische Armee)

Österreich

Großbritannien

Niederlande

 

Im Ergebnis des ersten Teils dieses Krieges (noch ohne Frankreich) wurde Kurfürst Karl Albrecht von Bayern mit Hilfe der böhmischen Stände im Januar 1742  als Karl VII zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. In Reaktion eroberte Österreich weite Teile des Kurfürstentums Bayern. Mit Hilfe der Bayerischen Verbündeten Frankreich und Preußen wurden die Territorien wieder zurückerobert. Die Preußische Unterstützung Bayerns diente der preußischen Eroberung Schlesiens. Preußen band damit österreichische Truppen, die nun nicht mehr der Rückeroberung Bayerns durch französisch-bayerische Truppen entgegengestellt werden. Österreich bekommt keinen Zähler, da die Eroberung Bayerns als Maßnahme zur sicheren Wiederherstellung der eigenen territoriale Integrität auf Vorkriegsniveau gewertet wird. Preußen erhält seinen Zähler für diese Beteiligung schon mit dem Ersten Schlesischen Krieg.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

Sa: 1 F: 1
BAY: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL): 4 DK/(N)*: 2 GB: 4 (2) Pr: 2 F: 3
AUT: 3 (1) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 4

 

Spanien – Östereich 1742 (Gesonderte Auseinandersetzung von Neapel ausgehend)

Angreifer:

Spanien

 

Verteidiger:

Österreich

 

Österreich ergriff zwar die Initiaive, dennoch war dies ein klassischer Präventivschlag. Spanien wollte seine Territorien in Italien auf Kosten Österreichs vergrößern und hatte dafür schon Vorbereitungen getroffen.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

ESP: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL): 4 DK/(N)*: 2 GB: 4 Pr: 2 F: 3
AUT: 3 (1) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5


Zweiter Schlesischer Krieg 1744-1745

Angreifer:

Preußen

 

Verteidiger:

Österreich

(Sachsen als Bündnispartner)

 

Verbündete Preußens:

Frankreich

 

Verbündete Österreichs:

Sachsen, Großbritannien und die Niederlande

 

Ziel dieses Krieges war es, die bedrohte Vorherrschaft Preußens in Schlesien zu sichern.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

Pr: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL): 4 DK/(N)*: 2 GB: 4 Pr: 3 F: 3
AUT: 3 (1) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5

 

 

1741–1743 Schwedisch-Russischer Krieg

Angreifer:

Schweden

 

Verteidiger;

Rußland

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

S: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 3 Sa/(PL): 4 DK/(N)*: 2 GB: 4 Pr: 3 F: 3
AUT: 3 (1) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5 S:1

1756-1763 Der Siebenjährigen Krieg (Europa)

Beteiligte:

Preußen

Großbritannien/Hannover

Hessen

gegen

Österreich

Frankreich

Rußland

Schweden

Sachsen

(Reichsarmee)

 

Entgegen der landläufigen Meinung geben wir Preußen nach langem Abwägen hier keinen „Aggressorpunkt“:

 

  1. Österreich und Rußland zogen entlang der Preußischen Grenzen große Truppenkontingente zusammen
  2. Trotz diplomatischer Bemühungen konnte/wollte Wien kein Nichtangriffsversprechen (geg. Preußen) geben.
  3. Friedrich II konnte Preußen nicht in der Mark verteidigen, wohl aber von Sachsen aus; aufgrund der hier herrschenden geologischen Gegebenheiten – Sächsische Schweiz und Erzgebirge als natürliches Hindernis im militärischen Sinne . Versuche dem Sächsischen König eine Genehmigung zur Verlegung preußischer Truppen auf sächsisches Gebiet abzuringen scheiterten. Also entschied Friedrich II sich zum Einmarsch
  1. Sachsen bot außerdem die Möglichkeit hier für die Logistik und die Versorgung der preußischen Truppen auf die Elbe zurückzugreifen
  2. Die erste militärische Aktion ging 1756 von Frankreich aus diese besetzten das britische Menorca
  3. des Weiteren war bekannt, daß eine militärische Intervention Rußland und Österreich 1756 lediglich am schlechten Ausrüstungsstand Rußlands zu diesem Zeitpunkt scheiterten

Preußen hatte das kürzere Schwert*, bekam es aber schneller aus der Scheide

*Nach Zahl der Truppen war Preußen hoffnungslos unterlegen und konnte nur durch den überraschenden Einmarsch in Sachsen der nachweisbar geplanten Zerschlagung seines Staatsgebietes zuvorkommen.

Dieser Krieg zeichnete sich durch hohe Verluste auf beiden Seiten aus, bemerkenswert sind aber die Erfolge, die Preußen mit oftmals zahlenmäßig unterlegenen Truppen erreichte. Gegen Ende des Krieges war Preußen militärisch fast besiegt, dennoch konnten seine Gegner diesen Vorteil aufgrund logistischer Probleme, eigener hoher Verluste sowie Zwistigkeiten in der militärischen Führung nicht nutzen. Nach dem plötzlichen Tode der russischen Zarin kam mit Peter III. ein Bewunderer Preußens auf dem Thron und beendete einseitig das Bündnis mit Österreich und stellte die Kriegshandlungen ein. Österreich sah sich nicht mehr im Stande den Krieg allein fortzuführen (wahrscheinlich eine Fehleinschätzung).

Fazit: Preußen sollte zerschlagen werden und konnte sich nur durch einen Präventivkrieg verteidigen.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

RUS: 1 Sa: 1 F: 1
AUT: 1 S: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 4 Pr: 3 F: 4
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5 S: 2

 

 

1756-1763 Dritter Karnatischer Krieg

 

Angreifer:

Großbritannien

 

Verteidiger:

Frankreich

 

Austragungsort: Indien

 

Dieser Krieg ist im Zusammenhang mit dem Siebenjährigen Krieg in Europa zu sehen.

Großbritannien griff die französischen Besitzungen/Kolonien in Indien an.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

GB: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 5 Pr: 3 F: 4
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5 S: 2

 

 

1754-1762 Der Siebenjährigen Krieg (Nordamerika)

 

Wird heute dem Siebenjährigen in Europa zugeordnet.

Beteiligte:

Frankreich

Großbritannien

 

Beide Mächte hegten Interesse territorial zu expandieren und bestachen hierbei durch eine aggressive Vorgehensweise an verschiedenen Konfliktherden mit unterschiedlichen Ausgangslagen.

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

GB: 1 F: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 6 Pr: 3 F: 5
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 5 S: 2

 

 

1776/77 Spanisch-Portugiesischer Krieg (Banda Oriental)

Angreifer:

Spanien

 

Verteidiger:

Portugal:

 

Ort: Südamerika

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

ESP: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 6 Pr: 3 F: 5
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 6 S: 2

 

 

1778/79 Bayerischer Erbfolgekrieg

Die Bayerische Linie der Wittelsbacher starb 1777 aus. Gemäß Erbvertrag fiel das Kurfürstentum nun an die Pfälzer Linie. Auf vertraglicher Grundlage sollten nun größere Gebietsaustausche zwischen dem neuen Kurfürsten Karl II. Theodor und dem Hause Habsburg vorgenommen werden. Dies stieß im restlichen Reich und bei bayerischen Patrioten auf starkes Mißfallen und Widerstand.  Preußens Interesse lag hierbei darin, eine Ausdehnung der Macht Habsburgs zu verhindern. Ungewöhnlich war, daß aufgrund eines Bittschreibens Maria Theresias an Friedrich II. dieser zusagte, von größeren Kampfhandlungen Abstand zu nehmen – und sich daran auch hielt! In Preußen ist diese Auseinandersetzung aufgrund der desolaten Versorgungslage auch als „Kartoffelkrieg“ bekannt. (Man ernährte sich von den Kartoffeln der umliegenden Felder)

Beteiligte:

Preußen

(patriotische Bayern)

gegen

Österreich

Für diese militärische Auseinandersetzung:

Pr: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 6 Pr: 4 F: 5
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 6 S: 2

 

 

1788–1790 Russisch-Schwedischer Krieg

 

Angreifer:

Schweden

 

Verteidiger:

Rußland

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

S: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 4 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 6 Pr: 4 F: 5
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 6 S: 3

 


1792 Russisch-Polnischer Krieg

 

Angreifer:

Rußland

 

Verteidiger:

Polen

 

Für diese militärische Auseinandersetzung:

RUS: 1

 

Zwischenstand (Werte in Klammern geben eine andere Lesart an):
RUS: 5 Sa/(PL): 5 DK/(N)*: 2 GB: 6 Pr: 4 F: 5
AUT: 4 (2) BAY: 2 OR 2 (1) ESP: 6 S: 3

 

„Abschlußtabelle“

 

1. Spanien

Großbritanien

6

6

3. Rußland

Frankreich

Sachsen-(Polen)

5

5

5

6. Preußen

Österreich

4

4

8. Schweden 3
9. Bayern

Osmanisches Reich

Dänemark/Norwegen

2

2

2

 

Nach anderer Lesart wäre Österreich mit 2 „Aggressorenpunkten“ ebenfalls Schlußlicht.

Die Napoleonischen Kriege, werden hier nicht mehr bewertet, weil diese nach unserer Auffassung eine neue Epoche und das 19. Jahrhundert einläuten.

Unser Fazit: Preußen war kein Friedensengel aber auch nicht kriegerischer als alle anderen relevanten Mächte Europas im 18. Jahrhundert. Woher rühren also die reflexhaft vorgetragenen Aussagen über das kriegerische Preußen unter Friedrich II. und im 18. Jahrhundert?

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Gliederung der Bundesrepublik

19. Juni 2011

Immer wieder gibt es Anregungen, die Gliederung der Bundesrepublik zu überdenken.

Aktuelles Beispiel:
zum Originalartikel auf Spiegel online am 19. Juni 2011
Oberbürgermeisterin Roth
„Wir brauchen keine Bundesländer in dieser Form“

Frankfurts Oberbürgermeistern Petra Roth plädiert für einen radikalen Schnitt: Die Struktur des Föderalismus sei veraltet, sagt sie im SPIEGEL, die Bundesländer in der heutigen Form müssten abgeschafft werden. Die CDU-Politikerin erhofft sich davon mehr „bürgernahe Entscheidungen“.

Hamburg – Die Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, Petra Roth (CDU), fordert eine Reform des Staatsaufbaus: „Die Struktur des Föderalismus in Deutschland mit 16 teuren Landesverwaltungen und acht Landesbanken ist veraltet und ineffizient“, sagte sie dem SPIEGEL. Die Bundesländer in der heutigen Form gehören ihrer Meinung nach abgeschafft.

Roth, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages ist, sagte, die Kommunen benötigten „deutlich weniger Vorgaben und auch keine Bundesländer in der jetzigen Form“. Sie plädierte für ein „Europa der Regionen mit selbstverantwortlichen Kommunen oder Stadtkreisen“. Die seien näher an den Menschen und besser in der Lage, „bürgernahe und pragmatische Entscheidungen“ zu treffen…..

Das angesprochene Europa der Regionen entspricht meiner Vorstellung von Europa.
Mit dem Thema verwandt sind auch die Ideen zur Neugliederung des Bundesgebietes.

Hier ein Vorschlag zur Neugliederung:

Vorschlag zur Neugliederung nach Werner Rutz 1995. Quelle: Wikipedia

siehe auch Artikel 29 Grundgesetz

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